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„Video Killed the Radio Star“ hieß es einmal, dabei hat sich diese Weissagung genau so wenig bewahrheitet wie die Idee, dass das Internet mit seinen Streaming-Angeboten klassisches Fernsehen vollständig aus dem Weg geräumt hat. Aber eine Sache stimmt: Die Fernsehsender stehen unter höherem Druck und müssen mehr denn je auf die Wünsche der Konsumenten hören – und der Konsumentinnen. Das wirkt sich aber insbesondere für Frauen zum Positiven aus – wie dieser Artikel zeigt.

Was schauen Frauen am liebsten im Fernsehen?

Die Zahlen zum Fernsehkonsum von Frauen sind überraschend. Es scheint so, als würden sich Frauen bestimmte Sendungen gezielt aussuchen und dann immer wieder schauen. Dabei ist um einige Sendungen ein regelrechter Kult entstanden. Frauen treffen sich zum Schauen bestimmter Formate regelmäßig in kleinen Gruppen und machen aus dem TV-Konsum ein regelrechtes Event. Wann ihre Sendungen laufen, können sie beispielsweise nachschauen im TV Programm von TV Spielfilm. Eins dieser beliebten Formate hört etwa auf den Namen „Shopping Queen“.

Und wie beliebt das bei Frauen ist, zeigen die Zahlen: Laut der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung wird das Format zu über 90 Prozent von weiblichen Zuschauern geguckt. Hier wird deutlich: Bestimmte Sendungen sind speziell auf Frauen zugeschnitten, aber bei keiner anderen Zielgruppe schlägt das Marketing auch so sehr an. Das liegt auch daran, dass die Produktionsfirmen wissen, dass Frauen im Schnitt häufiger und länger fern sehen. Sie begreifen Frauen als eine wichtige Zielgruppe und geben ihnen, was sie (hoffentlich) auch sehen wollen.

Vor nicht allzu langer Zeit sind einige Sender dazu übergegangen, zu bestimmten Sendezeiten ein spezielles „Frauenprogramm“ zu etablieren, etwa einen Abend in der Woche, in dem erst eine Soap und anschließend eine romantische Komödie lief. Solche Ideen haben damals funktioniert, die Kuration übernehmen die Frauen aber mit dem Aufkommen des Streamings zunehmend selber.

Wie sehen Frauen fern?

Bei den Frauen setzt sich ein Trend fort, der sich auch bei Männern ablesen lässt: Sie steigen langsam aber stetig auf das Streaming um. Bei Streamingangeboten lässt sich allgemein feststellen, dass die Zielgruppenpositionierung noch enger ist. Das heißt: Frauen suchen hier noch gezielter Frauenprogramme aus. Das ist auch kein Wunder, schließlich ermöglicht nur das „klassische“ Fernsehen etwas, was es im Streaming-Zeitalter immer seltener geben wird.

Die Vorstellung, dass man zufällig bei einer Sendung ‚hängenbleibt‘, egal ob sie zur Sehgewohnheit passt oder ob sie überhaupt maßgeschneidert für die eigene Zielgruppe ist. Damit zeichnet sich auch beim Fernsehen ein ähnlicher Trend ab wie in der Musikbranche: Die Konsumenten werden wählerischer, weil sie ihr Programm selbst aussuchen können und nicht mehr an feste Sendezeiten gebunden sind oder schlicht aus Orientierungslosigkeit durch das Programm zappen. Für Werbebotschaften werden sie damit allgemein weniger empfänglich.

Feste Sendezeiten können aber auch gegen den Trend einen Reiz haben: Sie ermöglichen ein regelmäßiges Event mit festen Zeiten, an die sich alle zu halten haben. Das könnte schon in naher Zukunft den „Frauenabend“ wiederbeleben – vor allem in Zeiten, wo „Jederzeit“-Streaming dazu führt, dass sich keiner mehr auf einen Termin einigen möchte. Fest steht: Das Fernsehen wird mit seiner Besonderheit des festen Programms weiterhin relevant bleiben.