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Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit von Seitensprüngen sind leider schwer aufzutreiben. Oft sind es Partnerbörsen oder andere Unternehmen, die solche Studien durchführen. Dass die Ergebnisse dabei wirklich neutral und repräsentativ sind, darf berechtigterweise bezweifelt werden.

Nur eins ist klar: So selten, wie man gemeinhin annehmen würde, ist das Fremdgehen nicht. Je länger eine Beziehung dauert, desto wahrscheinlicher wird ein ‚Ausrutscher‘. Aber muss das auch immer das Ende der Liebe bedeuten?

Kann man seine Beziehung nach einem Seitensprung retten?

Laut Daten der Partnerbörse Parship sind 25 Prozent aller Männer und 13 Prozent aller Frauen in einer Beziehung schon einmal fremdgegangen. Unklar ist hierbei, ob der Seitensprung auch aufgeflogen ist oder gebeichtet wurde. Man kann davon ausgehen, dass die Mehrzahl solcher Seitensprünge einmalig oder zumindest auf wenige Male begrenzt blieb. Das Fremdgehen entsteht in der Regel aus einer Gelegenheit heraus, und ist deswegen oft schwer aufzudecken.

Wenn der Partner nicht mit der Sprache herausrückt, bleiben manche Seitensprünge für immer unentdeckt. In der Tat gibt es auch immer wieder Menschen, die sich das von ihrem Partner sogar wünschen: Wenn es passiert, will ich es lieber nicht wissen! Hier verbirgt sich das Geheimnis der Beziehungsdynamik: Nicht das Fremdgehen an sich, sondern die Information darüber ist verletzend.

Umso härter trifft es den Partner, wenn er die schlechte Nachricht selbst herausfindet oder von einer dritten Queller erfahren muss. Dann ist nämlich nicht nur die sexuelle Treue, sondern auch das Vertrauen generell gebrochen. In diesem Fall gibt es kaum noch einen Weg zurück: Wer einmal betrogen und gelogen hat, dem kann man nur noch mit viel Arbeit wieder vertrauen. Wer seine Beziehung also nicht gefährden möchte, sollte sich hundertprozentig sicher sein, dass er unentdeckt bleibt – oder ganz einfach beichten.

Wie geht es nach einem Seitensprung weiter?

Sollte das Vertrauen durch die Beichte einigermaßen gerettet worden sein, gibt es durchaus Chancen, dass die Beziehung nicht zerbricht. In der Tat sind Seitensprünge vor allem deswegen nicht selten, weil sie gewissermaßen der menschlichen Natur entsprechen. Menschen sind nur für einige Jahre monogam veranlagt, in etwa so lang, wie das Verliebtheitsgefühl andauert.

Im evolutionären Sinne soll das gewährleisten, dass sie in dieser Zeit die Kindererziehung nicht vernachlässigen. Dass etwas reizvoll erscheint, heißt aber noch nicht, dass man diesem Reiz auch ungehindert nachgeben muss. Deswegen ist der Mythos unter Paaren beliebt: „Wenn jemand fremdgeht, muss etwas mit der Beziehung nicht gestimmt haben.“ Ein gefährlicher Irrtum, denn er verlagert die Verantwortung des Schuldigen auf den treu gebliebenen Partner oder auf die Beziehung als Ganzes.

So lässt sich garantiert keine Beziehung langfristig stabil halten. Vernünftiger ist es, ehrlich mit seinen Bedürfnissen umzugehen, sie zu artikulieren und eine Lösung für spontane Impulse zu entwickeln. Hin und wieder berichten Paare auch davon, dass sie sich mit einigen abgesprochenen und erlaubten Seitensprüngen pro Jahr durchaus eingerichtet haben.

Andere wiederum verbleiben im „Don‘t ask, don‘t tell“, und muten ihrem Partner nur das Wissen übers Nichtwissen zu. Es gibt viele solcher Modelle, die ausgehandelt werden können, bevor ein Vertrauensbruch stattfinden muss. Es lohnt sich, sie zu diskutieren.