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Auch die Industrie für Sexspielzeug scheint nun – endlich! – den Markt für Frauen zu entdecken. Wo früher noch recht unoriginelles Zubehör zu kaufen war, gibt es jetzt eine breite Auswahl an verschiedenen Geräten. Dieser Artikel wagt einen Einblick.

Was ist neu auf dem Markt?

Reißenden Absatz erfahren aktuell neuartige Vibratoren, die primär äußerlich zur Anwendung kommen. Unter anderem verkaufen sich gerade Klitorissauger besonders gut. Bei der Auswahl der Klitorissauger sticht ein Modell besonders hervor: der Womanizer. Dieser ist mittlerweile so bekannt und wird derartig oft gekauft, dass selbst schon Tageszeitungen auf den Trend aufmerksam geworden sind. Das Besondere: Das Gerät kommt vollständig ohne Berührung aus, sondern arbeitet allein mit sanften Druckwellen. Manche Frauen berichten davon, mit dem Gerät in sekundenschnelle zum Orgasmus gekommen zu sein. Ob das stimmt, wird wohl eher das Geheimnis der Kundinnen bleiben. Die Verkaufszahlen sprechen jedoch für sich.

Mit dem Wandel der Sexspielzeuge zeigt sich, wie sehr die Industrie mittlerweile glücklicherweise den Genuss und das Erleben der Frauen in den Fokus nimmt. Vorher glich die Auswahl an Sexspielzeugen eher einer Imitation der männlichen Penetration – das gefällt ihr ja, also muss man es schließlich nur nachbauen. Nun werden auch neue Wege erforscht und erstmalig wird auch die weibliche Lust in ihrem ganzen Spektrum berücksichtigt. Das ist nur zu begrüßen.

Selbstbefriedigung bei Frauen? Noch immer ein Tabu-Thema

Nun, fairerweise muss man schon sagen: Selbstbefriedigung ist nie wirklich ein Thema gewesen, mit dem besonders offen umgegangen wurde. Aber es ist schon auffällig, wie sehr die Selbstbefriedigung des Mannes als Normalität akzeptiert, während die der Frau totgeschwiegen wird, als sei sie irgendwie anders. Besonders merkt man das an den Produkten der Popkultur, wo immer noch herzlich über männliche Selbstbefriedigung gescherzt wird, während die weibliche kaum vorkommt. In der Konsumkultur ließt sich daher auch bis vor kurzem noch ein deutliches, patriarchales Muster erkennen.

Aber das ändert sich nun, was nicht zuletzt moderne Sextoys beweisen. Auch die Pornoindustrie entdeckt die Konsumentin: Pornos waren bis vor wenigen Jahren noch etwas, das ausschließlich auf die männliche Befriedigung abgezielt hat. Mittlerweile gibt es eine breite Vielfalt an Pornos, von solchen, die eher auf die Befriedigung der Frau abzielen bis hin zu feministischen Pornos, die ein gänzlich anderes ästhetisches Bewusstsein an den Tag legen. Die Entwicklungen der Sextoy-Industrie sind ein weiterer Schritt in Richtung mehr Bewusstsein für das weibliche Geschlecht, das vielmehr als eigene Kategorie gedacht wird anstatt bloß als „wie beim Mann, aber anders“. Wir sind gespannt, was diese Entwicklungen noch zu Tage fördern werden – und was wir daraus womöglich sogar noch über uns selbst lernen können.