Bauen ist teuer geworden. Minihäuser, sogenannte Tiny Houses, sind eine erschwingliche Alternative für viele | Alena Ozerova/shutterstock.com

Ein winziges Haus mit nur wenigen Quadratmetern Wohnfläche ist für immer mehr Menschen eine echte Alternative. Das Tiny House, ein englischer Begriff für ein sehr kleines Haus, ist für manche eine außergewöhnliche, aber vergleichsweise günstige Möglichkeit, ein Eigenheim zu besitzen.

Durch clevere Ideen bei der Innenausstattung wird aus dem sehr kleinen Haus ein echtes Platzwunder. In die Kategorie Tiny House fallen Häuser mit einer Grundfäche von weniger als 55 Quadratmetern. In den USA sind die Raumverhältnisse in der Regel etwas größer. Dort sind 110 Quadratmeter ein „Small House“, ein kleines Haus. Die kleinsten bewohnten Minihäuser haben manchmal weniger als zehn Quadratmeter Wohnraum.

Was kostet so ein Minihaus?

Je nach Gestaltung und Ausführung belaufen sich die Herstellungskosten für ein Tiny House auf 1.000 bis 2.000 Euro pro Quadratmeter. Die einfache, kompakte Bauweise ist dabei am günstigsten, also beispielsweise mit wenigen Trennwänden. Das ist übrigens nicht nur günstiger, sondern verleiht dem Häuschen eine luftige, großzügige Atmosphäre. Auch die Dachform spielt beim Preis eine Rolle. Flach-, Pult- und Satteldächer sind vorteilhaft. Erker und Mauervorsprünge dagegen kostspielig. Die Fenster in einer einheitlichen Größe zu wählen, ist ebenfalls günstiger, ebenso nach oben statt in die Breite zu bauen.

Die Nachfrage nach den Tiny Houses steigt kontinuierlich. Auch in Deutschland. „In den letzten zwei Jahren häuften sich die Finanzierungsanfragen zu alternativen Haustypen, wie z. B. Micro-Houses“, sagt Britta Fitz vom Baufinanzierungsvermittler Hüttig & Rompf.

Das Tiny House selbst planen und bauen

Die kleinen Wohnwürfel für Studenten haben selten mehr als 6 m2 und sind doch mit allem Notwendigen ausgestattet | pixabay.com

Bei den Tiny Houses trauen sich viel mehr Menschen zu, selbst Hand anzulegen als bei einem größeren Gebäude. Das ist allerdings eine große Herausforderung. Denn die Anforderungen an das handwerkliche und technische Geschick der Bauherren sind sehr hoch. Seine eigenen Fähigkeiten hier realistisch einzuschätzen ist wichtigen, sonst drohen zusätzliche Kosten und eine lange Bauzeit, die den Traum vom eigenen Haus gefährden. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, zumindest einen Experten zu Rate zu ziehen. Bestimmte Arbeiten, wie die Statik, Wasser und Strom dürfen aus Sicherheitsgründen nur Fachleute erledigen. Davon abgesehen ist es natürlich möglich, einige Arbeiten selbst auszuführen und so dazu beizutragen, dass durch Eigenleistung die Kosten für das Mini-Haus sinken.

Bei den Gestaltungsformen gibt es sehr große Unterschiede. In den USA entstehen viele Micro Houses in Do-it-yourself-Manier. Hierzulande machen sehr häufig Architekten die Pläne. Das ist meist im modernen Baustil zu erkennen. Es gibt auch einige internationale Designer, die bereits Minihäuser entworfen und umgesetzt haben. Vorbilder gibt es in ganz Europa und auch in Japan.

Das Tiny House als günstige Studentenwohnung

In Deutschland gibt es ein bekanntes Beispiel für die Tiny Houses: die Wohnanlage „Studentenstadt Freimann“ in München. Die kleinen Wohnwürfel dort haben eine Seitenlänge von 2,55 Meter und eine Wohnfläche von 6,5 Quadratmetern, das sogenannte Micro-Compact-Home. Mittlerweile gibt es das Fertighaus-Modell auch für Nicht-Studenten mit 2,66 Meter Seitenlänge zu einem Preis von 38.000 Euro – für rund 7 Quadratmeter.

Ein Trend aus den USA

Die Tiny-House-Bewegung hat ihren Ursprung in den USA. Eigentlich gibt es dort schier endlosen Raum, um ein Haus zu bauen. Platz und Freiheit sind hier gleichgesetzt. Dennoch ist dort eine Gegenbewegung entstanden. Anstatt Häuser immer größer zu planen und den Konsum immer weiter hochzuschrauben, konzentriert man sich auf das „Downsizing“. Alles wird wieder kleiner, auf das Wesentliche konzentriert. Der Ressourcenverbrauch sinkt dadurch erheblich.

Was macht die Tiny Houses hierzulande so trendy?

In Deutschland gibt es vielfältige Gründe, sich für ein Tiny House zu entscheiden. Die Menschen wollen einen kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Der Trend zur Nachhaltigkeit zeigt sich in allen Lebensbereichen, auch beim Bauen und Leben. Darüber hinaus gibt es in und um die Ballungszentren kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Die Grundstücksgröße verringert sich immer mehr. Alle freiwerdenden Flächen sind oder werden zugebaut. Ein weiterer Grund für die Attraktivität der Minihäuser ist die Tatsache, dass es in Deutschland immer mehr Single-Haushalte gibt, die keine so große Wohnfläche brauchen.

Die Minihäuser gibt es oft auch auf Rädern, sogenannte Mobile Homes | pixabay.com

Außerdem wünschen sich immer mehr Paare, die keine Kinder haben, oder Singles ihr eigenes Haus. Tiny Houses sind dafür ideal. Sie lassen sich ganz individuell nach den eigenen Bedürfnissen planen und gestalten.

Die Vor- und Nachteile der sehr kleinen Häuser

+ die Bauzeit ist sehr kurz

+ die Kosten für Bau und Unterhalt sind gering

+ Bauen ist auf einem sehr kleinen Grundstück möglich

+ die Wohnform ist nachhaltig und ressourcenschonend

– die Minihäuser bieten wenig Platz

– sie sind für Familien nicht gut geeignet

– es bleibt sehr wenig Gestaltungsspielraum

– die kleinen Häuser sind meistens nicht barrierefrei

Vor der Planung bedenken

Bevor sich jemand für ein Tiny House entscheidet und mit der Planung beginnt, ist es sehr wichtig, sich über die eigenen Bedürfnisse im Klaren zu sein. Es hängt von der Nutzung ab, welche Genehmigungen notwendig sind. Es gibt für alle Bedürfnisse passende Modelle. Die Bedingungen können allerdings sehr unterschiedlich sein. Wer mit einem Architekten baut, sollte diesen dazu befragen. Ansonsten helfen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltungen weiter. Nur weil das Haus sehr klein ist, heißt das nicht, dass es überall ohne Weiteres gebaut werden darf. Selbst für ein transportables Mobile Home ist eine Aufstellgenehmigung erforderlich.