fangopackungen
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Hat man uns als Kind noch regelmäßig „eingetrichtert“, dass wir uns nicht allzu schmutzig machen sollen, schwören viele Menschen heutzutage sogar darauf, komplett in Schlamm zu baden. Aber was macht das bitte für einen Sinn? Was zunächst so widersprüchlich klingt, ist für viele Therapeuten längst ein fester Bestandteil ihres Alltags. Die Rede ist von Fangopackungen.

Übersetzt heißt das soviel wie „Schlamm“ oder „Schlick“. Aber worin liegt der Unterschied zu dem braunen Matsch aus dem heimischen Vorgarten? Ganz einfach: Fango enthält eine Vielzahl wertvoller Inhaltsstoffe wie z. B. Magnesium, Tonerde und Kieselsäure. Diese Bestandteile wirken sich im Zusammenhang mit verschiedenen Temperaturen sehr positiv auf unseren Körper aus und lindern die Symptome einiger Krankheitsbilder effektiv.

Fangopackungen: Organisch und anorganisch

Schlamm ist nicht gleich Schlamm. Im Wesentlichen unterscheidet man nämlich zwei Gruppen:

  • Organischer Fango

Diese Sorte stammt meistens aus Italien. Dabei wird Wasser aus einer der zahlreichen Thermalquellen mit dem vulkanischen Gestein vermischt. Anschließend versetzt man die Masse mit Algen und Mikronährstoffen, um den Fango dann für ca. 1 Jahr reifen zu lassen.

Vorteil: Die organische Variante kann wiederverwendet werden. Das heißt, nach der Anwendung wird der Schlamm gereinigt und in den Reifeprozess zurückgeführt.

Nachteil: Diese Art der Aufbereitung ist sehr kostenintensiv. Und das trifft dann leider auch den Endkunden in Form von teuren Preisen.

  • Anorganischer Fango

Diese Variante wird vorwiegend in Deutschland oder Österreich hergestellt. Das abgebaute, vulkanische Gestein wird mit Wasser verrührt und anschließend mit Stoffen wie z. B. Radon oder Schwefel versetzt. Ein Reifeprozess ist nicht notwendig.

Vorteil: Durch den fehlenden Reifeprozess ist dieser Fango deutlich kostengünstiger erhältlich.

Nachteil: Anorganischer Fango ist nicht wiederverwendbar. Er muss nach der Anwendung ordnungsgemäß entsorgt werden.

Wie wendet man Fangopackungen an?

Die Art der Anwendung richtet sich zunächst immer nach dem jeweiligen Krankheitsbild, das behandelt werden soll. Generell können Sie in Fango baden, partielle Umschläge machen oder den wirksamen Schlamm als Salbe auftragen. Für die Anwendung zuhause eignen sich Wärmekissen besonders gut. Diese können im heißen Wasserbad erhitzt und dann partiell eingesetzt werden. Vorteile: Die Kissen können immer wieder verwendet werden. Außerdem entfällt die „große Dusche“.

Nachteil: Die wertvollen Inhaltsstoffe des Fango kommen nicht mit der Haut in Berührung. Immer mehr Therapeuten arbeiten außerdem mit dem sogenannten Paraffin-Fango. Das ist ein Schlamm, der mit einer Art Wachs angereichert wurde. Die Masse lässt sich sauberer verarbeiten und hält die Wärme deutlich länger. Daneben spielt die Temperatur eine große Rolle. Für warme bzw. heiße Anwendungen wird der Fango auf bis zu 50 Grad erhitzt. Aber auch kalt entfaltet er eine durchaus positive Wirkung.

Vor dem Auftragen wird aus dem angereicherten Gestein eine Masse angerührt, die je nach Beschwerdebild erhitzt wird. Dann kann der Patient entweder ein Vollbad nehmen oder der Therapeut trägt den Fango einige Zentimeter dick auf die betroffenen Partien auf. Bei letztgenannter Methode wird der Körper anschließend in Tücher bzw. Folie eingewickelt. Das soll dabei helfen, die Temperatur des Schlamms länger konstant zu halten.

Je nach Krankheitsbild wird eine Ruhezeit von ca. 30 – 40 Minuten empfohlen. Erst danach sollte der Fango wieder abgewaschen werden. Eine Massage, die direkt nach der Anwendung durchgeführt wird, ist aufgrund der gelockerten Muskeln besonders effektiv.

Wie wirkt sich die Behandlung aus?

Gerade erhitzter Fango wirkt sehr entspannend auf den Körper. Unsere Muskeln, Sehnen und Bänder lockern sich, der Kreislauf wird angeregt. Wenn der warme Schlamm direkt aufgetragen wird, öffnen sich die Poren. Das hat den Vorteil, dass die enthaltenen Mineralstoffe optimal in die Haut eingeschleust werden. Als kleine Zusatzinformation: Der PH-Wert wirkt übrigens basisch auf unsere Epidermis.

Das hilft bei zahlreichen Hautproblemen wie z. B. Akne oder Schuppenflechte. Aber später mehr zu den Anwendungsgebieten. Auch kalter Fango ist sehr hilfreich. Er verengt die Gefäße und wirkt ebenfalls schmerzstillend. Besonders Sportmediziner schwören auf diese Variante.

Bei welchen Beschwerden kann man Fangopackungen einsetzen?

Die nachfolgende Auflistung ist sicherlich nur ein Bruchteil der Krankheitsbilder, bei denen Fango behilflich sein kann. Außerdem sollte man bedenken, dass jeder Mensch anders auf diesen therapeutischen Ansatz reagiert. Was der Eine als angenehm empfindet, kann für einen anderen Patienten wirkungslos sein. Bei folgenden Symptomen hat sich die Anwendung von Fango bisher sehr bewährt:

  • Rheuma: Hierbei macht man sich besonders die schmerzstillende Wirkung zunutze.
  • Sportverletzungen: Fango lockert die Muskeln, Bänder und Sehnen. Damit hilft er besonders gut bei Zerrungen, Muskelkater oder kleineren Verletzungen.
  • Menstruationsbeschwerden: Bei starken Krämpfen wirken besonders gut Kompressen mit heißem Fango, die auf den Unterbauch gelegt werden.
  • Schuppenflechte/ Akne: Fango wirkt basisch. Das hilft, Beschwerden stark abzumildern und das Hautbild deutlich zu verbessern.
  • Beschwerden mit Galle und Leber: Zugegeben, dieses Anwendungsgebiet ist unter Skeptikern noch immer stark umstritten. Trotzdem soll der heilsame Schlamm Giftstoffe aus den Organen leiten und schmerzlindernd wirken, wenn z. B. Gallensteine vorhanden sind.
  • Rückenschmerzen: Fango ist wie gemacht für das Volksleiden Nummer 1. Besonders in Verbindung mit einer Massage wirkt sich die Wärme des Schlamms bei diesem Beschwerdebild sehr positiv aus.

fango

Wann darf man Fango nicht anwenden?

Leider hat die Anwendung von Fangopackungen nicht immer nur Vorteile. Bei wenigen Krankheitsbildern raten Ärzte sogar dringend davon ab, um das Beschwerdebild nicht unnötig zu verschlimmern. Bei folgenden Krankheiten sollten Sie also Abstand nehmen:

  • wenn offene Wunden bzw. Ödeme vorliegen
  • falls eine Thrombose droht
  • bei Herz-Kreislauferkrankungen
  • im Fall einer starken Erkältung mit Fieber
  • wenn Probleme mit dem Blutdruck vorliegen

Weitere Tipps zur Behandlung

Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse! Vielleicht bekommen Sie einen Zuschuss zu der Behandlung. Einige Kassen bieten außerdem günstige Zusatzversicherungen für alternative Heilmethoden an. Wenn Sie gute Erfahrungen mit solchen Therapieformen gemacht haben, lohnt sich oft ein Preisvergleich.

Insbesondere Ganzkörperanwendungen sollten ausschließlich von erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden! Sie sind geschult, was Temperatur und Dauer der Fangopackung angeht. Außerdem kann Ihnen ein Therapeut gezielte Tipps geben, welche der verschiedenen Anwendungsarten für Ihr Krankheitsbild am besten geeignet ist. Im Internet finden Sie dazu ganz bestimmt das passende Institut in Ihrer Nähe.

Wie bereits beschrieben, lässt sich der Schlamm entweder warm, heiß oder sogar kalt anwenden. Die letztgenannte Methode hat den großen Vorteil, dass Sie zwischen den Behandlungen keine Pause benötigen. Anders verhält es sich, wenn warme bzw. heiße Fangopackungen zum Einsatz kommen. Damit der Körper mit der Hitze nicht überfordert wird und Kreislaufbeschwerden ausgeschlossen werden können, müssen zwischen den einzelnen Anwendungen immer ein bis zwei Tage Pause eingelegt werden.

Wenn Sie sich erst einmal langsam an das Thema Fangopackungen herantasten möchten, ist diese Variante vielleicht etwas für Sie: Immer mehr Kosmetikinstitute bieten Gesichtsanwendungen mit dem bekannten Schlamm an. In Kombination mit einer Massage werden Sie ganz bestimmt erstaunt sein über die sanfte Wirkung.

Was kann man abschließend zu Fangopackungen sagen?

Es bleibt nicht mehr allzu viel zu sagen: Probieren Sie es einfach aus! Auch wenn sich dieser Trend erst vor einigen Jahren bei uns wirklich etablierte, schwörten bereits unsere Vorfahren auf die wohltuende Wirkung von Schlamm. Auch wenn dieser damals noch nicht mit Mineralien angereichert werden konnte, nutzte man die Heilkraft für sich. Viele Jahre später beschäftigte sich die alternative Medizin mit Fangopackungen. Man erkannte schnell die positive Wirkung auf den gesamten Organismus.

Das war der Anfang einer völlig neuen Therapieform, die sich bis heute erfolgreich hält. Denn Fangopackungen sind unkompliziert, verhältnismäßig kostengünstig und haben so gut wie keine Nebenwirkungen. Welches Medikament kann das schon von sich behaupten?