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Die schwedische AllBright-Stiftung ermittelt aller zwei Jahre den Anteil an Frauen in Führungspositionen in DAX-30-Unternehmen. Ihr letzter Bericht erschien erst vor wenigen Wochen. Darin war zu finden, was in den vorangegangenen Berichten auch zu finden war: Die Erkenntnis, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Gender Diversity in Unternehmensspitzen ausgesprochen schlecht abschneidet. Warum ist das so?

Woher kommt der Mangel an Frauen in Vorständen?

Es gibt eine ganze Reihe von soziologischen und psychologischen Erklärungen für den Mangel an Frauen in Führungspositionen. Durch die Forschungsdisziplinen hindurch ist man sich heute allerdings relativ einig, dass Frauen für Führungsrollen nicht weniger gut oder schlecht geeignet sind als Männer. Stattdessen gibt es eine Reihe von Effekten, die die Gender-Balance in Führungspositionen zementiert. Laut diesem Artikel von Global Cultures sind es vor allem Einstellungen gegenüber den traditionellen Geschlechterrollen, die zu dem unausgewogenen Verhältnis führen. Frauen werden immer noch in einer althergebrachten Mutterrolle imaginiert.

Sie sollen ab einem gewissen Alter Kinder kriegen und für diese auch möglichst gut sorgen. Wenn Frauen in jungen Jahren bis ins mittlere Alter Karriere machen, wird ihnen nachgesagt, sie seien Rabenmütter. Schlimmer noch: Wenn Frauen sich für eine Karriere und gegen Kinder generell entscheiden, dichtet man ihnen emotionale Kälte an. Das sind gesellschaftlich festsitzende Rollenmuster, mit denen man nicht unmittelbar brechen kann. So ein Bewusstseinswandel vollzieht sich langsam und über Generationen hinweg.

Der Fakt allein, dass man eine große Zahl an Artikeln über Gender Diversity in Führungsetagen findet – dass dieses Thema also in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert wird – ist ein erstes Anzeichen für diesen Bewusstseinswandel.

Braucht es überhaupt Frauen in Führungspositionen?

Bei der Diskussion um eine Gender-Balance in Chefetagen wird oft vorausgesetzt, dass ein Gleichgewicht überhaupt gewünscht ist. Warum? Das Argument von Kritikern lautet oft: Wenn nur Männer auf dem Bau arbeiten, scheint das ja keinen zu interessieren! Das ist ein schiefer Vergleich, denn Personen in Führungspositionen übernehmen auch eine repräsentative Funktion für ihre Mitarbeiter. Sie entscheiden für Frauen und Männer, die bei ihnen angestellt sind, mit. Daher ist es durchaus ein berechtigtes Anliegen, diese Führungspositionen paritätisch zu besetzen.

Das gleiche Argument findet man in der Politik: Da Politiker immer auch eine repräsentative Funktion erfüllen, also die Interessen ihrer gesamten und durchaus geschlechtlich diversen Wählerschaft, vertreten sollen, wünscht man sich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Parteien. Ein solches kann natürlich nur hergestellt werden, wenn die gleiche Anzahl Männer wie Frauen auch überhaupt wählbar sind. Daher stellen viele Parteien mittlerweile paritätische Listen bei einer Wahl auf.

Auch wenn Deutschland aktuell noch schlecht abschneidet: Die andauernden Diskussionen um eine Gleichberechtigung von Mann und Frau werden in Zukunft mit großer Sicherheit dafür sorgen, dass wir sowohl geschlechtlich ausbalancierte Parlamente wie Führungsetagen erwarten können. Gut so!