leggings unter dem kleid
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Kann man Leggins unter einem Kleid tragen? Diese Frage wird gleich mit einer Gegenfrage beantwortet: „Warum nicht?“ Immer vorausgesetzt, dass Kleidung weniger den Außenstehenden als vielmehr der Trägerin oder dem Träger selber gefallen muss. Nicht jede Frau ist eine Fashionista, die jedem Trend hinterher läuft, ob er nun zum Typ oder der Figur passt oder nicht. Ideal ist eine Mode, die sowohl der gefällt, die sie trägt als auch demjenigen, der sie ansieht.

Leggings unter Kleid tragen: Von den „Beinlingen“ zur Pantalon-Hose

Kleiner geschichtlicher Rückblick auf die Mode am Bein: Leggins sind eindeutig älter als Strumpfhosen. Während Leggins aus Leder schon seit grauer Vorzeit zur Kleidung indigener Völker Nordamerikas gehörte, die sie in der Prärie gegen Dornen und vor Schlangen schützten, trugen hiesige Männer im Mittelalter „Beinlinge“. Diese wurden zunächst in zwei Teilen am Gürtel getragen, erhielten später jedoch das Mittelteil, den Zwickel, der nun beide Hosenbeine zusammenhielt.

Sowohl die Indianer als auch die Mittelalter-Männer trugen übrigens ihr jeweiliges Beinkleid unter einem langen Oberteil, einer Art Kleid (!). Im 18.Jahrhundert zogen die Damen unter ihren Reifröcken „Pantalons“ an, die man als Vorgänger der Leggins bezeichnen könnte. Von Tänzerinnen ist bekannt, dass sie in den 1920er-Jahren begannen, ihre langen Strümpfe an Unterhosen zu nähen, um ein Verrutschen zu vermeiden.

Mit neonbunten Leggings zur Disco in den 80ern

Eine maschinell gestrickte Strumpfhose aus Nylon kam erst 1959 auf den Markt und wurde von Frauen begeistert aufgenommen, da sie nun auf lästige Strumpfhalter verzichten konnten. Leggins sind eigentlich Gamaschenhosen – Strumpfhosen, aber ohne Nahtknöpfe und ohne Fußteil. Ihre Blütezeit fällt in die 1980er-Jahre, wo sie neonfarben oder glitzernd mit kurzen, ballonartigen Blousons mit überdimensionalen Schulterpolstern kombiniert wurden. Das Resultat: merkwürdige Proportionen. Manchmal zeigten sich unter dem Ballon-Oberteil plötzlich viel zu dünne Beinchen. Curvy Frauen brauchten einigen Mut, um ihre Pos und Hüften in Leggins zu quetschen. Kein Wunder, dass vor allem die Männerwelt Leggins hasste und sich nach Minirock-Zeiten zurücksehnte.

80er mode
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2006 kehren die Leggings zurück – auch unter dem Kleid

Ab den 2000er-Jahren wurden auf Schulhöfen und Straßen immer häufiger junge Mädchen gesehen, die enge Hosen oder Leggins unter Kleidern oder Röcken trugen. Meist waren es Muslima, die das aus religiösen Gründen taten. Doch bald setzte sich der Trend „Leggins unter dem Kleid“ auch bei anderen jungen Mädchen durch – vor allem im Winter gegen Kälte. Es dauerte nicht lange, bis auch Modedesigner den Trend entdeckten. Und so sah man die fußlose Strumpfhose ab 2006 wieder auf den Catwalks von Mailand, Paris und New York. Die Manager der Strumpffirmen von Falke, Wolford und Fogal jubelten. Tatsächlich sind Leggins für ihre Trägerinnen einfach zu praktisch und viel zu bequem, um modisch in Vergessenheit zu geraten.

Wie sieht es heute aus?

Heute muss eine Leggins elastisch sein und eng sitzen, egal ob sie aus Baumwolle, Wolle oder Polyamid ist. Sie muss mit der Mode gehen, also in allen Farben, Körpergrößen und Längen – lang, 7/8 oder ¾ – zu haben sein. Neuzeit-Leggins können aber noch mehr – als Shapewear können sie einen Bauch wegzaubern oder den Po anheben und sogar voller erscheinen lassen. Es gibt Sport-Leggins mit Galonstreifen und solche mit angenähtem Rock, unter dem sich Fettpölsterchen besser verstecken lassen.

Und wie sieht das Kleid über der Leggins im Jahr 2022 aus? Derzeit sind schimmernde oder glänzende Leggins im Wet-Look unter hübschen Mini-Tweedröcken „in“. Große oversized Pullover oder Mäntel, Longblazer oder lange Cardigans sehen über Leggins immer fantastisch aus. Ein neuer Trend ist es, Leggins mit einem gleichfarbigen Bustier nicht nur im Fitness-Center, sondern auch anderswo zu tragen, Ein oversized Long-Blazer darüber macht den Look perfekt.

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Leggings unter einem gewagt geschlitzten Kleid

Kleider über Leggins sind – zugegeben – nicht mehr ganz so häufig zu sehen. Das heißt aber nicht, dass der Trend total out ist. Ein Billiglabel aus China, bei dem Teenager gern online ihre Klamotten bestellen, bietet zurzeit ein unifarbenes Maxikleid mit langen Ärmeln an, das an einer Seite bis hoch zur Taille aufgeschlitzt ist. Zu gewagt? Keinesfalls, denn darunter werden schlichte, gleichfarbige, knöchellange Leggins getragen, die mit zum Angebot gehören. Wer nicht mehr im Teenageralter ist, dem steht dagegen ein kurzes sportliches Polokleid mit einer Capri-Leggins gut.

Besonders schön ist diese Kombination, wenn es sich bei den beiden Teilen um Töne handelt, die nicht kontrastieren, sondern aus derselben Farbgruppe stammen – beispielsweise ein himbeerrotes Kleid mit einer Leggins in einem etwas dunkleren Rot. Auch dieser Sommertrend hält sich schon lange: Ein geblümtes kurzes Sommerkleid wird mit einer klassischen Jeansjacke und Capri-Leggins in der Farbe der Jeansjacke kombiniert. Wer zu einem kurzen Sommerkleid aus zartem, etwas transparentem Stoff Leggins tragen will, hat es schwer, dazu die passenden Hosen zu finden. Idealerweise sollten die Leggins in derselben Farbe und ebenfalls besonders fein sein.

Passen sie zu meinen Beinen?

Zu welchem Typ passen welche Leggins? Wer dünne Beine hat, kann diese mit den gerade jetzt angesagten Leggins in dickem Strick oder solchen mit großen grafischen Mustern optisch etwas vergrößern. Auch die dreiviertel langen Capri-Leggins stehen nicht jedem, da sie die Beine optisch verkürzen. Große Frauen sehen in 7/8-Leggins gut aus. Kräftige kurze Beine brauchen dagegen eher unifarbene Leggins, die bis zu den Knöcheln reichen. Das streckt die Beine – zumindest optisch.