Ketone im Blut
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Dass man bei einer von Arzt angeordneten ketogenen Ernährung Ketone im Blut hat, ist nachvollziehbar. Es ist sogar aus therapeutischen Gründen erwünscht. Mediziner nutzen diese spezielle Ernährungsform beispielsweise, um kindliche Epilepsien wie die FIRES-Epilepsie zu behandeln. Erste Behandlungserfolge mit dieser speziellen Ernährungsform sind seit 1921 dokumentiert.

Auch bei Diabetikern und anderen Menschen können unter bestimmten Umständen Ketone im Blut nachgewiesen werden. Der Nachweis kann über einen geeigneten Teststreifen oder eine Blutabnahme geführt werden. Mittlerweile interessieren sich auch Sportwissenschaftler und Ernährungsfachleute für die Wirkung von Ketonen im Blut. Die ketogene Ernährungsweise wird auch bei bestimmten Krebsformen oder bei Multipler Sklerose angewendet.

Was sind eigentlich Ketone?

Ketone sind Stoffwechselprodukte. Diese fallen beim Fettabbau an. Im Prinzip imitiert die ketogene Ernährungsweise Mechanismen des Hungerstoffwechsels. Sie sollte daher ärztlich überwacht werden. Es handelt sich bei der ketogenen Ernährung um eine stark Kohlenhydrat-reduzierte Ernährungsweise. Der Energiebedarf wird dabei weitgehend aus tierischen und pflanzlichen Fetten sowie Proteinen bezogen. Um den Kohlenhydratmangel auszugleichen und das zugeführte Fett abzubauen, damit die Energiebereitstellung funktioniert, werden Ketonkörper gebildet.

Ketone im Blut von Diabetikern

Bei Diabetikern kann ein Mangel an Insulin einen ähnlichen Mechanismus in Gang setzen. Üblicherweise bezieht der Organismus seine Energie aus Kohlenhydraten. Er stellt daraus Blutzucker her. Mangelt es an Insulin, muss der Organismus die Energiegewinnung anders regeln. Er nutzt das eingelagerte Körperfett oder zugeführte Nahrungsfette, um seinen Energiebedarf zu decken. Der vermehrte Fettabbau führt zum Entstehen von Ketonen im Blut. Prekär ist dieser Vorgang jedoch, wenn es zu einem gravierenden Insulin-Mangel kommt. In diesem Fall kann der Organismus mit einem ungehemmten Fettabbau konfrontiert sein. Entsprechend viele Ketone finden sich dann im Blut.

Die Mengen sind so hoch, dass die Ketone im Urin nachweisbar sind. Als Folge der plötzlichen Keton-Flut übersäuert der Organismus. Mit dem Urin werden jede Menge Elektrolyte ausgeschieden. Der Körper ist dadurch von Austrocknung gefährdet. Kommt es nun zu einer Stoffwechselentgleisung, sprechen Mediziner von einer diabetischen Ketoazidose. Eine Keton-bedingte Azidose kann im Koma enden.

Ursachen für einen erhöhten Keton-Spiegel

Ein erhöhter Keton-Spiegel entsteht durch bestimmte Prozesse im Organismus oder durch eine ketogene Ernährungsweise. In einigen Fällen sind Ketone im Blut erwünscht. In anderen können sie lebensgefährlich werden. Das gilt zum Beispiel, wenn ein insulinpflichtiger Diabetiker eine Infektion bekommt. Er kann wegen der Nichtbeachtung des dadurch entstandenen Mehrbedarfs einen Insulinmangel erleiden. Risiken sind auch gegeben, wenn Diabetiker die Insulindosis zu niedrig angesetzt haben. Ketone im Blut können aber auch entstehen, wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden.

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Magen-Darmerkrankungen, Crash-Diäten mit Hungerphasen, Schilddrüsen-Überfunktionen oder angeborene Stoffwechselerkrankungen können eine Ursache für Ketone im Blut sein. Auch in der Schwangerschaft kann es zu einer vermehrten Keton-Anreicherung im Blut kommen. Bei Fieber und akuten Infektionen kann sich der Keton-Spiegel erhöhen, weil automatisch mehr Fett abgebaut wird. Ein Besuch beim Arzt wird angeraten. Stoffwechselentgleisungen müssen verhindert werden. Die Behandlung kann durch ausgleichende Gaben von Insulin, Flüssigkeitszufuhr und Natrium- oder Kalium-Zufuhr vorgenommen werden.

Die ketogene Diät: Gefährlich oder nicht?

In therapeutischen Zusammenhängen kann die ketogene Ernährungsweise einen therapeutischen Nutzen haben. Bei der selten vorkommenden kindlichen FIRES-Epilepsie kann diese Ernährungsweise lebensrettend sein. Sie muss allerdings frühzeitig verordnet werden. Es gibt nur wenige Mediziner in Deutschland, die sich mit FIRES-Epilepsie und entsprechenden Therapien auskennen. Ein Gefahrenpotenzial hat die ketogene Ernährungsweise nur, wenn sie als Diätmaßnahme – Stichwort Low Carb-Ernährung – in die Hände Unkundiger gerät. Der Organismus wird durch die radikale Ernährungsumstellung in eine Ketose gezwungen. Das bedeutet: Es finden sich unbekannte Mengen an Ketonen im Blut, weil sämtliche Energie aus dem zugeführten Fett bezogen wird.

Menschen, die eine ketogene Ernährungsweise verfolgen, sehen darin Vorteile. Ketone im Blut hemmen Entzündungen. Sie sollen sogar als Vorbeugung gegenüber degenerativen Erkrankungsrisiken wie der Alzheimer-Erkrankung wirksam sein. Der Körper soll sich durch die ketogene Ernährung energetischer fühlen. In der Ketose kann das Gehirn mehr Mitochondrien herstellen. Dabei handelt es sich um die wichtigsten Energiekraftwerke im menschlichen Organismus. Ketonkörper gelten außerdem als Konzentrationsförderer.

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Die Ketose

Nachdem der Organismus sich umgestellt hat, profitiert das Gehirn von der Ketose. Es benötigt ohnehin die meiste Energie. Bis zu 75 der benötigten Energieressourcen können nun aus den Ketonkörpern hergestellt werden. Das Hirn selbst besteht ebenfalls aus Fettgewebe. Die Ketose kurbelt außerdem die Fettverbrennung an. Daher wird die ketogene Ernährung gerne zur Gewichtskontrolle oder zum Abnehmen eingesetzt. Hier wird sie meist ohne medizinische Vorkenntnisse und ärztliche Überwachung durchgeführt. Die Sättigung wird über die Ketone bewirkt. Diese sind in der Lage, Hungerhormone wie das Ghrelin zu hemmen. Auch die Blutzucker-Absenkung, die durch die Ketose entsteht, ist interessant.

Diabetiker, die eine ketogene Ernährung verfolgen, berichten von erheblichen Symptom-Verbesserungen. Bei korrekter Durchführung können sich die Blutzucker- und Insulinwerte stabilisieren. Ohne medizinische Überwachung und Absprache sollte jedoch kein Diabetiker zur ketogenen Ernährung wechseln. Im therapeutischen Zusammenhang wird die ketogene Ernährung auch bei Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, bestimmten Krebserkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen oder einem Schädel-Hirntrauma eingesetzt.

Welche Nachteile haben Ketone im Blut?

Ohne medizinische Überwachung und profunde Kenntnis der Materie sollte niemand eine ketogene Ernährung durchführen. Bekannt ist beispielsweise, dass es in der Umstellungsphase häufig zur Keto – bzw. Low Carb-„Grippe“ kommt. Diese äußert sich in Symptomen wie Energielosigkeit, Schlafproblemen, Verdauungsstörungen und Übelkeit sowie in geistigen und körperlichen Leistungseinbrüchen. Der Stoffwechsel muss sich durch die veränderte Ernährungsweise komplett umstellen. Die Umstellungsbeschwerden können bis zu vier Tage anhalten. Problematisch ist es, die Lebensmittel für die Mahlzeiten richtig zusammenzustellen. Einer Minderversorgung mit Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen muss vorgebeugt werden.

Daher gilt: Ohne qualitativ hochwertige Gemüse und pflanzliche wie tierische Fette kann diese Diät nicht erfolgreich durchgeführt werden.