knirschen im nacken
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Viele kennen das Problem. Ohne Vorwarnung treten plötzlich unangenehme Geräusche beim Bewegen des Kopfes auf. Sie können sich als Knacken oder Knirschen äußern. Häufig machen sie sich nach Ruhephasen, zum Beispiel nach dem Aufstehen, oder nach körperlichen Anstrengungen bemerkbar. Manchmal können die Betroffenen aber keinen Zusammenhang zu bestimmten Vorgängen herstellen.

Das Knirschen ist aber nicht nur unangenehm und nervig. Viele machen sich Sorgen, dass etwas Schlimmeres dahinter stecken könnte. Das hängt auch damit zusammen, dass die Region um die Halswirbelsäule für viele ein sehr empfindliches Areal ist. Zusätzliche Symptome wie Kopf- und Nackenschmerzen können die Ängste der Betroffenen verstärken.

Knirschen im Nacken: Geräuschübertragung

Geräusche, die im Bereich des Nackens oder der Halswirbelsäule entstehen, werden schnell und fast ohne Verlust der Lautstärke an die Ohren weiter gegeben. Das hängt zum einen mit der räumlichen Nähe der Gehörorgane zu ihrem Entstehungsort zusammen. Zum anderen spielen aber auch die am Hals und im Nacken nach oben verlaufenden großen Blutgefäße eine Rolle. Mit ihrem hohen Flüssigkeitsgehalt tragen sie dazu bei, dass die Geräusche besser und schneller weiter geleitet werden.

Mögliche Ursachen von Knirschen im Nacken

Knirschen im Nacken kann verschiedene Ursachen haben. Infrage kommen beispielsweise Verschleißerscheinungen der kleinen Wirbelgelenke, die zwei benachbarte Wirbel beweglich miteinander verbinden. Sie werden gebildet von zwei seitlich hinter dem Wirbelkörper befindlichen Fortsätzen. Die überknorpelten Gelenkflächen liegen dachziegelartig übereinander und ermöglichen der Halswirbelsäule in der Summe ihre große Beweglichkeit. Normalerweise sorgen zwei Konstruktionen dafür, dass die Gelenke nicht zu stark belastet werden und verschleißen. Die zwischen den Wirbelkörpern gelegenen Bandscheiben halten die Gelenkflächen in einem gewissen Abstand voneinander.

Dadurch wird die Druckbelastung reduziert. Zusätzlich sorgt der glatte Gelenkknorpel dafür, dass die Reibung bei Bewegungen so gering wie möglich bleibt. Natürlicher Verschleiß im Alter oder andere Ereignisse führen dazu, dass die Bandscheiben an Höhe verlieren oder sogar einen Bandscheibenvorfall entwickeln. Dadurch geraten die Gelenkflächen näher aneinander und der Druck auf den Knorpel steigt. Auf Dauer degeneriert er dadurch und wird flacher und unebener. Die Gelenkflächen gleiten nicht mehr reibungslos aneinander vorbei und verursachen bei jeder Bewegung knirschende und reibende Geräusche. Temporär kann die Problematik auch durch blockierte Wirbel hervorgerufen werden.

Dabei wird die Beweglichkeit der kleinen Wirbelgelenke deutlich reduziert oder komplett verhindert. In der Regel verschwinden die Geräusche wieder, wenn die Beweglichkeit wieder hergestellt wird. Eine weitere Ursache für das Knirschen im Nacken können die bindegewebigen Strukturen von Muskeln, Bändern und Sehnen sein. Fehlhaltungen, Überbelastungen, Bewegungsmangel und ungünstige Verhaltensmustern machen sich in der Schulter-Nacken-Muskulatur oft als Verspannung bemerkbar. Das hat unmittelbare Folgen für die bindegewebigen Hüllen des Muskels (Faszien), kann sich aber auch in Sehnen und Bändern fortsetzen.

Stoffwechsel kann beeinträchtigt werden

Die hohe Spannung beeinträchtigt den Stoffwechsel im Gewebe. Dadurch lagern sich zunehmend Stoffwechselendprodukte ab. Sie führen zu Verklebungen und reduzieren die Elastizität. Beim Bewegen des Kopfes werden sie teilweise wieder gelöst. Das macht sich hörbar als Knirschen oder Knacken bemerkbar. Fehlernährung kann die Stoffwechsel bedingten Veränderungen im Gewebe begünstigen. Eine anatomische Sonderstellung nehmen die Kopfgelenke ein. Die gelenkige Verbindung der beiden oberen Halswirbel (Atlas und Axis) ist anders konstruiert.

Der Axis besitzt einen Zahn, der nach oben in das Wirbelloch des Atlas hineinragt. Dort wird er knöchern und mit Bändern so platziert, dass eine weite Rotation möglich ist. Verklebungen in den Haltebändern können zum Knirschen beim Drehen des Kopfes führen. Es macht sich weit oben unterhalb des Schädelrandes bemerkbar.

nackenmassage bei knirschen
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Behandlung gegen Knirschen im Nacken

Die Behandlung von Knirschgeräuschen im Nacken hängt natürlich von der jeweiligen Ursache ab. In manchen Fällen kann sie sehr einfach sein und von den Betroffenen selber gemanagt werden. Oft ist aber professionelle Hilfe notwendig, um einen nachhaltigen Erfolg zu gewährleisten. Treten zusätzliche Symptome wie starke Kopfschmerzen, Ausstrahlungsschmerzen, Schwindel oder sensible Störungen auf, sollte immer ein Orthopäde aufgesucht werden. Die Untersuchung der Halswirbelsäule ist notwendig, um schwerwiegende Ursachen für die Symptome ausschließen.

Professionelle Behandlungsmöglichkeiten

Eine Behandlung bei Orthopäden, Chiropraktikern oder Physiotherapeuten ist sinnvoll, um Gelenkblockaden zu lösen und Störfaktoren zu beseitigen. Deshalb sind sie die erste Anlaufstelle, wenn das Knirschen im Nacken nicht von alleine verschwindet und von den Betroffenen nicht günstig beeinflusst werden kann. Die Fachleute geben auch Ratschläge und Tipps für die Eigenbehandlung und das weitere Verhalten, um die Gefahr von Rezidiven zu minimieren. Häufig können die Symptome durch verschiedene Maßnahmen aber in Eigenregie beseitigt werden.

Verhaltensänderung

Die Ursache für Verspannungen und Knirschen im Nacken sind häufig Stress, Bewegungsmangel, einseitige Belastungen und ungünstige Haltungs- und Verhaltensgewohnheiten am Arbeitsplatz. Die Umstellung der Lebens- und Verhaltensgewohnheiten zur Minimierung dieser Faktoren ist die Grundvoraussetzung, um die Entstehung und das Fortbestehen von Nackenproblemen zu verhindern. Für Menschen, bei denen das Knirschen nach dem Schlafen auftritt, ist es wichtig, dass sie darauf achten, dass der Kopf beim Schlafen in einer günstigen Position gelagert ist.

Sie sollten die Schlafposition in Bauchlage auf jeden Fall vermeiden. Nackenstützkissen können für sie sehr hilfreich sein. Für stressgeplagte Menschen kann das Erlernen und die regelmäßige Durchführung von Entspannungstechniken oder Meditationen sinnvoll sein.

Schulter-Nacken-Massage

Eine gezielte Massage der Schulter-Nacken-Muskulatur tut nicht nur gut. Sie kann auch ein probates Mittel gegen Knirschen im Nacken sein, wenn die Ursache im Bindegewebe der Muskulatur liegt. Ein erfahrener Masseur kennt die richtigen Techniken, mit denen er den Stoffwechsel im Muskel anregt und Verklebungen im Bindegewebe lösen kann. Die Massage kann auch in Eigenregie durchgeführt werden. Dazu werden im betroffenen Gebiet kreisende und knetende Bewegungen angewendet.

Das geschieht am besten ohne Massageöl oder -creme, weil die mechanische Wirkung dann effektiver ist. Eine Behandlung dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Für die verklebten Muskelfaszien ist die Behandlung mit einer Faszienrolle eine sehr wirkungsvolle Anwendung.

Wärmeanwendung

Wärme ist eine klassische Anwendung, die einerseits die Muskulatur entspannt und andererseits den Stoffwechsel anregt. Gezielt eingesetzt kann sie die anderen Maßnahmen zur Beseitigung des Knirschens im Nacken unterstützen. Am effektivsten sind Applikationen mit feuchter Wärme. Die Feuchtigkeit setzt den Hautwiderstand herab. Dadurch kann die Wärme weiter ins Gewebe eindringen und auch tiefer gelegene Muskelschichten erreichen. Man kann dazu ein feuchtes Tuch benutzen, das auf den betroffenen Bereich gelegt und mit einem erwärmten Nackenkissen oder einer Wärmflasche bedeckt wird. Auch Kirschkern-, Heu- oder Körnerkissen können verwendet werden.

Bewegung und Sport

Bewegungsmangel und einseitige Belastung der Halswirbelsäule verbunden mit ungünstiger Haltung sind Bedingungen, die ursächlich an der Entstehung von Knirschen im Nacken beteiligt sein können. Sie können sowohl den Verschleiß als auch die Entwicklung von Verklebungen im Bindegewebe begünstigen. Allgemeine Bewegung und Sport oder gezielte Bewegungsübungen in der Physiotherapie haben dementsprechend drei Zielsetzungen. Sie verbessern den Stoffwechsel und die Beweglichkeit und stärken die stabilisierende Halsmuskulatur. Alle drei Komponenten haben günstige Auswirkungen auf die Gelenke und die Muskulatur. Der Aspekt Bewegung und Sport kann von jedem selbst gemanagt werden.

Dazu gehört einerseits die Integration von Bewegung in den Arbeitsalltag mit dynamischem Sitzen, häufig wechselnden Arbeitspositionen und aktiven Bewegungspausen. Sportarten, die für die Nackenmuskulatur gut geeignet sind, sind Rückenschwimmen, Nordic Walking, Radfahren mit dem richtigen Fahrrad und gezielte Fitnesskurse mit entsprechenden Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Der Besuch beim Physiotherapeuten lohnt sich auf jeden Fall, weil man dort die richtigen Übungen zur Stärkung der Halsmuskulatur und zur Dehnung der Nackenmuskulatur zunächst unter Anleitung erlernen kann.

Später können sie im Eigentraining zu Hause oder am Arbeitsplatz weiter durchgeführt werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Bewegungen integraler Anteil des Alltags werden. Nur regelmäßig angewendet können sie helfen, dass die stoffwechselbedingten Probleme wiederkommen.