29. Februar 2024

Heilmittel wie Melissengeist: Können sie süchtig machen?

Klosterfrau Melissengeist ist ein alternatives Heilmittel, das bei zahlreichen Beschwerden, wie Erkältungen und Appetitverlust, zum Einsatz kommen kann. Etwa 20 Millionen Menschen sind von der Wirkung angetan. Da Klosterfrau Melissengeist knapp 80 % Ethanol enthält, stellt sich aber die Frage, ob das Medikament süchtig machen kann.

Kann der Alkoholgehalt in Melissengeist süchtig machen?

Die meisten Medikamente enthalten, wenn sie richtig dosiert werden, nur geringe Mengen Alkohol. Diese Kleinstmengen werden bereits kurz nach der Einnahme über die Leber wieder abgebaut. Trotzdem kann der Alkohol bei einer missbräuchlichen Anwendung schädlich sein. Die Weltgesundheitsorganisation legt als empfohlene Höchstmenge für Frauen zwölf Gramm Alkohol und das Doppelte für Männer fest. Außerdem empfiehlt sie, mindestens zwei Tage pro Woche abstinent zu sein.

Anwendungsbeispiel Klosterfrau Melissengeist

Klosterfrau Melissengeist enthält 79 Vol. -% Alkohol. Der Hersteller empfiehlt eine Dosis von ein bis drei Teelöffeln pro Tag. Die Höchstdosis von drei Teelöffeln (insgesamt 1,5 cl) enthalten dabei etwa 9,6 Gramm Alkohol. Das bedeutet, dass die tägliche Höchstmenge noch im unbedenklichen Rahmen liegt. Dadurch, dass Klosterfrau Melissengeist rezeptfrei zu erhalten ist, kann es jedoch auch zum Missbrauch kommen. Der Hersteller geht aber davon aus, dass durch den unangenehmen Geschmack ein Rausch vermieden werden kann.

Achtung: In Abhängigkeit zum Körpergewicht ist es möglich, dass es ab fünf Teelöffeln bereits zu einer Fahruntauglichkeit (ab 0,5 Promille) kommen kann.

melissengeist mit wasser mischen
Ground Picture/shutterstock.com

Risikogruppen

Während die meisten Personen alkoholhaltige Medikamente problemlos konsumieren können, stellen Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit und trockene Alkoholiker die wohl größte Risikogruppe alkoholischer Arzneien dar. Selbst bei Personen, die schon lange auf Alkohol verzichten und sich als therapiert betrachten, reicht der Geruch nach Alkohol oder das Konsumieren einer Kleinstmenge bereits für einen Rückfall aus. Der Alkohol in den Medikamenten setzt in den Betroffenen ein starkes Verlangen nach größeren Mengen alkoholischer Getränke frei.

Neben dem Rückfallrisiko wirkt sich der Alkohol in den Medikamenten aber auch stärker als bei gesunden Personen auf die Leistungsfähigkeit der Leber aus. Eine Nebenfolge des Alkoholmissbrauchs ist nämlich der Umstand, dass die Leber großen und dauerhaften Schaden nimmt. Da der Alkohol über die Leber abgebaut wird, können alkoholhaltige Arzneien eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schon geschwächte Leber sein.

Auch Schwangere, Stillende, Epileptiker und Personen, die an einer Hirn- oder Leberkrankheit Leiden, zählen zu den Risikogruppen, bei denen ein Totalverzicht empfohlen wird. Menschen, die unter anderen Abhängigkeiten (wie der Spielsucht) leiden, zeigen auch gegenüber anderen Süchten eine erhöhte Anfälligkeit. Sie sollten daher ebenfalls prüfen, ob es alkoholfreie Alternativen gibt.

kein alkohol
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Alkoholabhängigkeit erkennen

Klosterfrau Melissengeist kann also theoretisch süchtig machen, doch ab wann ist von einer echten Abhängigkeit auszugehen? Grundsätzlich gibt es darauf keine pauschale Aussage, weil die Entwicklung einer Suchterkrankung immer individuell verläuft. Während sich der Alkoholkonsum bei einigen schon im Jugendalter einbürgert, kommt es bei anderen zu einer schleichenden Steigerung. Der Übergang von einer temporären Lösung zur Sucht bleibt oftmals zunächst noch unbemerkt.

Zur besseren Einordnung gibt es vier Phasen, in die sich der Verlauf einer Alkoholsucht unterteilen lässt:

  • In der sogenannten Vorphase wird der Alkohol – hier: Klosterfrau Melissengeist – nur gelegentlich zur Bekämpfung der Symptome eingesetzt.
  • In der darauffolgenden Anfangsphase löst der Alkoholkonsum sogar Gedächtnislücken aus. Außerdem ist der Konsum zunehmend mit einem schlechten Gewissen verknüpft, weshalb er vor Außenstehenden verheimlicht wird.
  • Die kritische Phase zeichnet sich dadurch aus, dass der Konsument sein Trinkverhalten nicht mehr steuern kann. Das Verlangen nach dem Alkohol ist mittlerweile so stark, dass das soziale Netz aus Freunden und Familie aufgrund zunehmender Konflikte langsam auseinanderfällt. Außerdem setzen bei Durststrecken Entzugserscheinungen ein.
  • Die chronische Phase ist der Höhepunkt, an dem der Betroffene den Alkohol braucht, um seinen Alltagspflichten nachzukommen. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits davon auszugehen, dass das Trinkverhalten körperliche und mentale Schäden hinterlassen hat.

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