23. Juni 2024

Fäden ziehen trotz Kruste: Ist das möglich?

Durch Verletzungen oder Operationen entstehen oftmals tiefere oder größere Wunden, die genäht werden müssen. Das Vernähen der Wundränder geschieht, um eine ungestörte Wundheilung zu gewährleisten. Wundinfektionen oder eine Sepsis sollen verhindert werden. Das Eindringen von Bakterien wird durch die chirurgische Naht unterbunden, das Zusammenwachsen der durchtrennten Hautlappen wird gefördert.

Oftmals entsteht nach Abschürfungen, oberflächlichen Schnitten oder infolge der operativen Durchtrennung von mehreren Haut- und Gewebeschichten ein Wundschorf. An der Narbe bildet sich eine Kruste, auch als Grind bezeichnet. Bei normalen Verletzungen sollte die Wunde nach etwa drei Tagen zugeheilt sein. Die Haut um die Wunde kann jedoch noch längere Zeit empfindlich sein. Der Schorf löst sich kurz nach dem vollständigen Abheilen alleine ab.

Anders ist es jedoch, wenn tiefere Gewebeschichten betroffen waren und eine Naht gelegt wurde. In der Regel bildet sich rund um eine chirurgische Nahtstelle nicht allzu viel Wundschorf. Da die Naht relativ eng ausgeführt wird, aber nicht spannen soll, kann zwischen den einzelnen Einstichstellen durchaus Wundsekret austreten. Die Naht sorgt dafür, dass der Heilungsprozess ungestört verläuft.

genähte wunde
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Fäden ziehen, wenn noch Kruste vorhanden ist?

Chirurgische Nähte im Körperinneren werden oft mit selbst resorbierenden Fäden ausgeführt. Größtenteils wird aber chirurgisches Nahtmaterial verwendet, das nach einer gewissen Zeit entfernt werden muss. Normalerweise werden die Fäden etwa 14 Tage nach einer Operation wieder entfernt. Es kommt aber darauf an, wie groß die Nahtstelle ist und wie sehr sie bei Bewegungen belastet wird.

Eine weitere Rolle spielen die Nahttechnik sowie das verwendete Fadenmaterial. Bei kleineren Verletzungen, die an wenig belasteten Stellen des Körpers genäht wurden, können die Fäden oft schon nach vier bis fünf Tagen entfernt werden. Bei kosmetischen Operationen achten die Operateure darauf, dass der Heilungsverlauf abgeschlossen ist und kein Wundschorf mehr zu sehen ist. Erst dann werden die Fäden aus der Nahtstelle entfernt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt bei größeren Nähten?

Wenn der Arzt an der Nahtstelle einer größeren Wunde noch nässende Stellen oder Krusten entdeckt, entscheidet er in der Regel nach individuellen Maßstäben. Die Wunde kann trotz noch vorhandener Krusten gut abgeheilt wirken. Sie kann etwas eingesunken wirken oder von so stark geschwollenem Gewebe umgeben sein, dass der chirurgische Faden optisch fast verschwindet.

Der Zustand der Narbe und der Fortschritt des Heilungsprozesses entscheiden über den Tag, an dem die Fäden gezogen werden können. Es gilt für den Arzt zu verhindern, dass der nicht resorbierbare Faden mit dem Gewebe verwächst und nicht mehr entfernt werden kann. Insofern gibt es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem die Fäden gezogen werden sollten. Die bei Operationen benutzten chirurgischen Fäden sind erfahrungsgemäß für etwa zwei Monate zugfest und haltbar.

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Als Standard-Anhaltspunkt für die Entfernung von chirurgischen Fäden gelten folgende Werte:

  • an der Lippe oder den Augenlidern nach 3 bis 5 Tagen
  • im Gesicht nach 5 bis 7 Tagen
  • auf der behaarten Haut des Kopfes nach 12 bis 14 Tagen
  • am Rumpf nach 12 bis 14 Tagen
  • und an Armen und Beinen, Händen und Füßen nach 12 bis 14 Tagen.

Es gilt nach Operationen als goldene Regel, dass jegliches Fremdmaterial in einer Wunde potenziell zu Entzündungen führen kann. Ein Wundschorf stellt jedoch potenziell kein Hindernis dar. Der Arzt begutachtet den Heilungsverlauf. Er ordnet das Fäden ziehen frühestmöglich an, sofern der Heilungsverlauf zufriedenstellend ist. Dabei werden in der Regel die oben genannten Standard-Fristen eingehalten. Ob noch Wundschorf zu sehen ist, spielt meist keine nennenswerte Rolle.

Entzündungen oder Eiteraustritte an der Nahtstelle verlangen möglicherweise nach anderen Entscheidungen. Sollten einmal Fadenreste in der Wunde übersehen werden, wachsen sich diese von alleine heraus oder verwachsen mit dem umliegenden Narbengewebe.

Müssen die Krusten aufgeweicht werden, bevor der Faden gezogen wird?

Weder darf der Wundschorf eigenmächtig abgepult, noch mit Wasser aufgeweicht werden. Dabei könnten Keime in die Wunde kommen. Auch der behandelnde Arzt oder die mit dem Fäden ziehen beauftragte Schwester wird das nicht tun. Es gilt die Regel, dass die Narbe nach dem Ziehen der Fäden bis zu vier Wochen nicht mit Wasser in Berührung kommen darf. Der Arzt wird dem Patienten eine entsprechende Mitteilung machen.

abgeheilte schnittverletzung
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An den Stellen, wo der Operations-Faden austrat, entstehen kleine Wundlöcher. Diese heilen in der Regel schnell zu. Da die Einstichstellen, die der Nähfaden im Gewebe hinterlassen hat, einen Zugang für das Eindringen von Keimen darstellen könnte, sollte die frisch verheilte Wunde noch mit Pflaster oder Gazeauflagen abgedeckt bleiben. Massagen, Salbenbehandlungen oder andere Maßnahmen zur Behandlung der Wunde dürfen erst nach einiger Zeit vorgenommen werden.

Sollte sich eine chronische Entzündung rund um einen chirurgischen Faden bilden, der noch nicht gezogen wurde, spricht man vom Faden- oder Fremdkörpergranulom. Der Organismus bemüht sich, den Fremdkörper mit Gewebe zu ummanteln und irgendwie loszuwerden. Dazu setzt er Enzyme ein. Gelingt ihm der Abbau des Materials nicht, diagnostiziert der Arzt ein Fadengranulom. Sollte dieses Beschwerden verursachen, muss es in einer neuerlichen Operation entfernt werden.

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