Restless-Legs-Syndrom
puhhha/shutterstock.com

Beim Restless-Legs Syndrom, kurz RLS genannt, handelt es sich um eine besondere Art von Bewegungsstörung verbunden mit nächtlichen „Tags“ und ist auch bekannt unter den Bezeichnungen Willis-Ebkom disease oder Wittmaack-Ebkom-Syndrom. Kennzeichnend sind Bewegungsdrang und Missempfindungen in den Beinen und Füßen.

Unwillkürliche Bewegungen treten ebenfalls häufig auf. Die beschriebene Symptomatik verstärken sich in Ruhe und vor allem nachts, was mit Periodic Limb Movements (kurzen Aufwachphasen) verbunden sein kann. Tagsüber, und wenn die Betroffenen in Bewegung sind, treten die Probleme weniger oder gar nicht auf. Entsprechend dem „International Classification of Sleep Disorders“, dem Klassifikationssystem für Schlafkrankheiten, gehört dieses Syndrom zu den extrapyramidalen Hyperkinesien (Bewegungsstörungen aufgrund einer Fehlfunktion von jeweils bestimmten Anteilen der Basalganglien).

Restless-Legs-Syndrom: Was sind die Ursachen?

Die Humanmedizin verfügt bis heute über keine gesicherten Erkenntnisse bezüglich der Ursachen. Der Neurotransmitter (Botenstoff) Dopamin scheint jedoch eine zentrale Rolle zu spielen, weil anscheinend die extrapyramidalen Störungen des Extrapyramidalen Systems (EPS) die Folge von einem veränderten Transmitterstoffwechsel sind. Das heißt: Im neuroanatomischen und neurophysiologischen Konzept sind die Steuerungsvorgänge der Motorik gestört. Außerdem kann ein gestörter Eisenstoffwechsel (unter 50 ng/ml) zu muskulärem Sauerstoffmangel führen, was für einer Verschlimmerung bekannt ist. Eine erbliche Vorbelastung könnte sich manifestieren. 19 Risikogene wurden von Wissenschaftlern bereits identifiziert.

Diabetes mellitus stellt ebenfalls ein erhöhtes Risiko dar, um an RLS zu erkranken. Hier besteht auch für viele Mediziner das Problem, eine diabetische Neuropathie von RLS zu unterscheiden. Die Unterscheidung ist aber äußerst wichtig, weil die beiden Krankheitsbilder auf eine völlig unterschiedliche Behandlung/Therapie ansprechen. Zu den weiteren Ursachen können gehören:

  • Urämie (Niereninsuffizient / Nachlassen der Nierenleistung)
  • bestehende Schwangerschaft
  • Polyneuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems)
  • Radikulopathie (Erkrankung der Nervenwurzeln)
  • Parkinsonsyndrom
  • Spinale Erkrankungen ((z. B. Ein Wurzelreizsyndrom oder eine Spinakanaleinengung)
  • Lungenerkrankungen
  • Folsäuremangel (unter mindestens 300 Mikrogramm pro Tag)
  • Rheumatoide Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung)
  • Vitamin B12 Mangel (unter mindestens 4 Mikrogramm pro Tag)
  • Leukämie
  • Angsterkrankungen bzw. Depressionen oder ADHS

Fataler Weise stehen auch unterschiedliche Medikamente im Verdacht, RLS auszulösen. Zu den möglichen Medikamenten gehören:

  • Antidepressiva
  • das Magenmedikament Metoclopramid
  • Medikamente gegen eine Schilddrüsenunterfunktion
  • Dopaminantagonisten (hier ist Vorsicht geboten, falls anstatt RLS eine Akathisie (Bewegungsunruhe) vorliegt

Die Behandlung: Woran orientiert sie sich?

An erster Stelle sollte der L-Dopa-Test durchgeführt werden. Bessern sich die Symptome bereits nach einer einmaligen Verabreichung von L-Dopa liegt der Beweis vor, dass es sich um RLS handelt. Zusätzliche Behandlungen sind aber wichtig, um auch andere Krankheiten auszuschließen. Hat sich der Verdacht bestätigt, muss herausgefunden werden, um welche Form es sich handelt. In 2/3 aller Erkrankungen handelt es sich um eine idiopathische (primäre) Form gefolgt von der symptomatischen (sekundären) Form. Für die idiopathische, also primäre Ausprägung des Restless-Legs-Syndroms ist höchst wahrscheinlich das gestörte Dopaminsystem an einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn verantwortlich.

unruhige beine
CHAINFOTO24/shutterstock.com

Zur idiopathischen (primären) Form gehört auch die Erkenntnis, dass eine zentrale Rolle von den Basalganglien (Unterstruktur von einem Teil der Großhirnrinde) ausgeht. Liegt eine psychische oder emotionale Überbelastung vor, können die Basalganglien die Bewegungsimpulse, die von der Großhirnrinde ausgehen, nicht an die motorischen Zentren weitergegeben werden. Man könnte sagen, die Bewegungsimpulse sind in den Basalganglien eingekesselt. Kommt es dann zu einer späteren Entladung, entsteht die RLS-Symptomatik. Liegt eine neurobiologische Basis für ein RLS vor, kann eine psychosomatisch orientierte Intervention durchaus zielführend sein.

Bildende Verfahren bei unruhigen Beinen

Bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissionstomografie (PET), die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRI) sowie die Single Photon Emission Computed Tomografie (SPECT) konnten Ergebnisse in Bezug auf die Beobachtung des prä- und postsynaptischen dopaminergenen Neurotransmittersystems sowie des Gehirnstoffwechsels liefern. Sie sind in ihrer Aussagekraft noch umstritten. Bei den bildgebenden Darstellungen geht es insbesondere um die Lenden- und Halswirbelsäule aber auch um den Rückenmarkskanal. Es gilt festzustellen, ob eine Spinalkanaleinengung oder eine Rückenmarksschädigung vorliegt.

Mit einem reduzierten Eisenspeicher im Gehirn sind sonografische sowie laborchemische aber auch einzelne pathologische Untersuchungen vereinbar. Ein ausreichender Ferritinwert (Eisenspeicherwert) über 50 ng/ml kann mit einem Eisenpräparat plus Vitamin C für eine verbesserte Aufnahme angehoben werden. Weil eine gezielte und effiziente Behandlung immer auf einer fundierten Diagnose basiert, gehören zur vorbereitenden Behandlung (Diagnose) die folgenden vier Untersuchungen:

  • eine klinisch neurologische Untersuchung
  • eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • eine Muskeluntersuchung
  • Blutuntersuchungen zum Ausschluss bzw. zum Nachweis für ein sekundäres RLS
  • Eine Schlafanalyse gibt Aufschluss über periodische Beinbewegungen und Schlafstörungen

Restless-Legs-Syndrom: Die unterschiedlichen Behandlungsmethoden

Es ist wichtig zu wissen, wie hoch sich der Leidensdruck für die betroffene Person darstellt. Eine Verbesserung der Schlafqualität steht primär im Vordergrund. Spätestens bei einer ausgeprägten Symptomatik ist in der klassischen Schulmedizin eine medikamentöse Behandlung angesagt. Handelt es sich um die sekundäre Ausprägung, muss vorrangig die Ursache ausgeschaltet werden. Kontra-indizierte Medikamente und zu hohe Nierenwerte sind zu vermeiden bzw. zu korrigieren. Führt die Behandlung mit einer Monotherapie (Behandlung mit einer bestimmten Wirkstoffgruppe) nicht zum gewünschten Erfolg, ist zu überlegen, ob eine Kombinationstherapie mit beispielsweise Dopaminagonist plus L-Dopa zielführend ein könnte.

Bei gelegentlichen und leichten Beschwerden reicht meistens die Einnahme des Wirkstoffs Levodopa (eine vom Körper aus Tyrosin und Tyrosinhydroxyglase gebildete nicht-proteinogene α-Aminosäure) in Restex, Madopar oder Bromocriptin oder Lisurid. Nachteil: Eine Aggravation als gravierende Nebenwirkung ist bei längerer Einnahme nicht auszuschließen. Außerdem ist die Wirkungsdauer in der Nacht oft nicht zufriedenstellend. Die GKVs bezahlen diese medikamentöse Therapie in der Regel aufgrund der „Off-Label-Use Regelung“ nicht mehr. Bei täglichen bzw. schweren Symptomen gelten Dopaminagonisten, die Dopamin-Rezeptoren stimulieren, als zielführend.

restless legs auslöser
Zerbor/shutterstock.com

Allerdings sind sie reich an Nebenwirkungen und auch umstritten. Andererseits steigern sie die Lebensqualität und können über einen langen Zeitraum eingenommener werden. Vorausgesetzt, sie werden gut vertragen. Den „Goldstandard“ stellen neben der Verordnung von L-Dopa-Präparaten die Dopaminagonisten Ropinerol und Pramipexol in der RLS-Behandlung dar. Zu den stärksten Medikamenten gehören die Opioide mit dem Wirkstoff Tilidin, Oycodon oder Codein. Sie werden verschrieben, wenn alle anderen Therapien nicht zum Ziel führen. Als letzte Maßnahme im Rahmen einer medikamentösen Behandlung steht die Verabreichung von Methadon. Eine begrenzte Wirksamkeit zeigten auch die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin.

Die nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden

Die bei RLS bestehende Minderdurchblutung der Haut wird für eine Woche mit Vibrationsanwendungen von täglich einer viertel Stunde behandelt. Die Durchblutung verbessert sich um mit ihr auch die RLS-typischen Beschwerden. Als erfolgreich hat sich die Implantat-Akupunktur erwiesen. Durch kleine Nadeln, die aus medizinischem Rein-Titan bestehen und in das Ohrläppchen gesetzt werden, wird das Gehirn stimuliert, Dopamin sowie andere wichtige Botenstoffe wieder vermehrt selber zu bilden. Die Studien inklusive einer Langzeitstudie in 2015 wurden von der Universität Köln unter Professor Beuth zusammen mit dem Facharztzentrum für Neurostimulation (Leitung Dr. Rolf Wlasak) durchgeführt und konnten die Wirkung der Methode belegen.

Behandlungsmethoden der Alternativmedizin

Bestens bewährt hat sich aus dem Spektrum der Schüssler Salze seit vielen Jahren die Behandlung mit aufbereitetem Zink (Zincum metallicum). Auch mit 3 Globuli Causticum D200 kann die Behandlung zum Abklingen der Symptome führen. Tritt eine durchaus normale Erstverschlimmerung auf, sollte die gleiche Dosis noch einmal eingenommen werden. Fast immer ist dann die Erstverschlimmerung aufgehoben und die positive Wirkung kann ca. drei Wochen anhalten. Danach ist eine Wiedervorstellung beim Homöopathen erforderlich, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Strittig ist noch die Wirksamkeit von Magnesium. Weitere Studien dazu sind anhängig.

Betroffene berichten, dass periodisches Anspannen der Muskulatur, Radfahren sowie leichtes Stretching und Kniebeugen die Symptomatik unterbrechen können, sodass ein Weiterschlafen möglich wird. TCM Spezialisten behandeln RLS zum Beispiel mit einer Ohr- / Körperakupunktur und paralleler Injektion von Vitamin-B-12 Aufbauspritzen.