20. Mai 2024

Risse in der Zunge: Mögliche Ursachen und Behandlung

Sie ist der beweglichste Muskel unseres Körpers und ständig in Bewegung. Unsere Zunge wird oft unterschätzt, ob sie eine Vielzahl an wichtigen Funktionen hat. Sie ist unter anderem verantwortlich für alltägliche Dinge wie das Sprechen, Schmecken und Schlucken. Außerdem hat sie die Fähigkeit, Stoffe wie Vitamine und Mineralien aufzunehmen und Störungen unseres Organismus widerzuspiegeln.

Kein Wunder, dass sich auf der Zunge gelegentlich Belag, Risse oder Falten bilden. Meist sind solche Vorfälle nicht weiter dramatisch. Kommen jedoch Schmerzen oder Blutungen hinzu, kann es für den Betroffenen unangenehm werden. In diesem Fall sollte der Ursache auf den Grund gegangen werden.

Risse in der Zunge: Grundlegendes

Die Zunge ist ein mit Schleimhaut überzogenes Muskelorgan. Sie ist fast ununterbrochen in Bewegung und für viele Funktionen des Körpers verantwortlich. Zum einen wäre eine Nahrungsaufnahme ohne sie kaum möglich. Durch Speichelzufuhr aus Drüsen unter der Zunge wird die Nahrung beim Kauen mit Speichel vermengt. Gleichzeitig prüft die tastempfindliche Zungenoberfläche, ob sich Fremdkörper in der Nahrung befinden. Anschließend bringt die Zunge den Speisebrei in die optimale Schluckposition. Die Zungenschleimhaut ist mit Papillen besetzt. In den Geschmackspapillen sitzen Geschmacksknospen, die durch spezielle Rezeptoren bei Kontakt mit Nahrung reagieren.

Sie sorgen während der Nahrungsaufnahme für das entsprechende Geschmackserlebnis. Je nach Geschmack reagieren unterschiedliche Papillen auf die Nahrung. Da die Geschmackspapillen über die Zunge verteilt sind, spricht man von verschiedenen Geschmackszonen. Die Zunge hilft nicht nur während der Nahrungsaufnahme, sondern hat auch eine reinigende Funktion nach dem Essen. Sie kann Essensreste in den Zahnzwischenräumen ertasten und hilft dadurch, den Mund sauber zu halten. Beim Sprechen und Singen kommt der Zunge eine weitere wichtige Funktion zu. Um Worte und bestimmte Laute von uns geben zu können, ist die Position von Zungenspitze, Zungenmitte und Zungenrändern ausschlaggebend.

Ohne die Zunge wäre eine deutliche Aussprache unmöglich. Unser Immunsystem wird zu einem großen Teil von der Zunge unterstützt. Der Zungenmantel im sogenannten Zungengrund wirkt wie ein Schutzschild und wehrt erste Keime und Bakterien ab. Gerät die Mundflora mit ihrer Schleimhaut aus dem Gleichgewicht, können Bakterien und Viren leicht über die Zunge in den Körper gelangen.

Einkerbungen in der Zunge

Viele Menschen leiden gelegentlich an einer rissigen Zunge. Meist sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Risse in der Zunge sind längs und/oder quer verlaufende Einkerbungen, die oft mit leichten Blutungen oder weißen Verfärbungen auftreten. In vielen Fällen sind diese Schleimhautverletzungen harmlos. Allerdings besteht bei Rissen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Durch die kleinen Verletzungen können Bakterien leicht eindringen. Was als kleiner Riss anfing, kann bis zu Schluck- und Sprechbeschwerden, Zungenbrennen oder Verlust des Geschmackssinns führen. Aus diesem Grund ist es ratsam, bei chronischen oder häufig wiederkehrenden Rissen herauszufinden, ob die Ursache tiefer liegt.

Risse in der Zunge: Die Ursachen sind vielseitig und individuell

Die Ursachen einer rissigen Zunge können so vielfältig und individuell sein wie die Betroffenen selbst. Sie können von Mensch zu Mensch stark variieren, sind aber oft harmlos und ohne krankhaften Charakter. Sollten ohne weitere Beschwerden Risse in der Zunge sichtbar sein, ist es ratsam, zuerst den Flüssigkeitshaushalt des Körpers zu überprüfen. Oft entstehen Risse aufgrund einer zu trockenen Mundschleimhaut, die eine Folge von Flüssigkeitsmangel ist. Ein Flüssigkeitsmangel kann aufgrund eines Fiebers auftreten, das mit einer bakteriellen oder viralen Infektion einhergeht. Liegt keine Infektion vor, hat der oder die Betroffene über einen längeren Zeitraum zu wenig getrunken.

Treten die Risse in Kombination mit einem weißen Zungenbelag auf, ist es ein Anzeichen für eine Pilzinfektion. Die Zunge wirkt rau und gerötet und Zungenbrennen, Blutungen und kleine Bläschen begleiten das Erscheinungsbild. Eine Zungenentzündung, „Glossitis“ genannt, kann eine weitere Ursache für Risse sein. Sie tritt manchmal als Folge von Zahnerkrankungen oder Zahnprothesen auf. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können ein weiterer Auslöser sein. Wer zusätzlich noch raucht, erhöht das Risiko einer Zungenentzündung. Die Giftstoffe im Tabakrauch schädigen die Mundschleimhaut und bringen die gesamte Mundflora aus dem Gleichgewicht.

rissige zunge
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Des Weiteren können Risse in der Zunge durch eine angeborene Schleimhautanomalie, „Lingua plicata“ genannt, ausgelöst werden. Grund dafür ist eine Abweichung der Schleimhautstruktur. Die normalen Zungenfunktionen werden dadurch nicht beeinträchtigt, allerdings leiden Betroffene häufig zusätzlich unter Zungenbrennen. Weitere Ursachen für Risse in der Zunge sind: Sjörgen-Syndrom, Syphilis, Diabetes, Lebererkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, Morbus Crohn oder chronischer Biotin-Mangel. Bei diesen Krankheiten sind die Veränderungen der Mundschleimhaut meist nicht die einzigen Symptome, sondern es treten weitere Beschwerden auf.

Liegt keine Erkrankung vor, können Risse eine mechanische Ursache haben. Scharfe Zahnkanten oder schlecht angepasste Prothesen und Metalllegierungen können die Zungenschleimhäute verletzen. Ein Riss in der Zunge kann übrigens auch aus ganz banalen Gründen entstehen, wie etwa durch einen Biss in die Zunge oder zu heißes Essen. Betroffene, die über einen langen Zeitraum oder immer wiederkehrend an Zungenrissen leiden, sollten in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Oftmals ist es eine Kombination mehrerer Symptome, die Aufschluss über die Ursache geben kann. Nur auf diesem Weg kann eine gezielte Behandlung die Linderung der Beschwerden bewirken.

Die richtige Diagnose ist das A und O

Tritt eine rissige Zunge hin und wieder auf und verheilt ohne große Beschwerden, steckt meist keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Kommen jedoch Blutungen und Schmerzen dazu, sollte eine gründliche Diagnose gemacht werden. Die Veränderung im Mund- und Zungenbereich ist nur ein Hinweis darauf, dass der Körper mit einer Erkrankung zu kämpfen hat. Die richtige Diagnose ist nötig, bevor die entsprechende Behandlung erfolgen kann. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geht man übrigens davon aus, dass die Zunge ein Spiegel des Körpers ist. Sie wird auch Polizei des Mundes genannt.

Jede Veränderung ihrer Farbe, Form und ihres Belags gibt einen Hinweis auf die Störung im Organismus. Grund dafür ist die intensive Vernetzung von Mundhöhle und Zunge mit dem Gehirn. Außerdem ist die Zunge eng mit dem Gehirn und den inneren Organen verbunden. Für eine Diagnose werden Oberfläche, Größe, Form, Spannkraft und Beweglichkeit, sowie die Unterseite der Zunge bewertet.

Die Behandlung einer rissigen Zunge

Je nach Diagnose kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Mechanische Ursachen, wie schlechte angepasste Prothesen oder scharfe Zahnkanten, lassen sie wohl am leichtesten durch eine Korrektur beheben. Entstehen die Risse aufgrund von Flüssigkeitsmangel und Mundtrockenheit, kann eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt Abhilfe schaffen. Diese einfache Maßnahme führt oft zu einer Besserung der Symptome. Liegt ein Flüssigkeitsdefizit aufgrund schwerer Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall vor, ist eine Infusion die angemessene Lösung.

Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr ist eine konsequente Mundhygiene besonders wichtig. Milde antiseptische Mundspülungen oder Hausmittel wie Salbei- und Kamillentee können desinfizieren und beruhigen. Wichtig ist, dass sie nicht zu aggressiv sind, aber gleichzeitig antibakteriell wirken. Eine zusätzliche Reizung der Schleimhäute wäre fatal. Bei sehr schmerzhaften Rissen können ein paar Tropfen Glycerin Wunder wirken. Liegt eine Pilzinfektion vor, wird diese mit Antimykotika (Antipilzmittel) behandelt. Antimykotika töten die Pilze ab und verhindern, dass sie sich weiter verbreiten.

Während des Heilungsprozesses sollten scharfe und heiße Speisen und Getränke vermieden werden. Das Gleiche gilt für Alkohol und Nikotin, da sie die Heilung im Mundbereich negativ beeinflussen. Bei der täglichen Zahnpflege mit der Zahnbürste ist Vorsicht geboten. Sie kann bei einer bereits angeschlagenen Zunge mehr Schaden anrichten als gewünscht. Sind die Risse innerhalb weniger Tage nicht abgeheilt, sollte erneut ein Arzt aufgesucht werden.

Vorbeugung von Infektionen im Mundbereich

Eine gesunde Mundflora steht und fällt mit der richtigen Mundhygiene. Dazu gehören regelmäßiges Zähneputzen, die Nutzung von Zahnseide und die Anwendung von natürlichen, nicht zu aggressiven Mundspülungen. Aufgrund ihrer hohen Aufnahmefähigkeit bietet die Zunge den perfekten Nährboden für Pilze und Bakterien. Verhornte Papillen, winzige Speisereste und Speichel bilden einen Biofilm. Dieser macht die Zunge anfällig für Erkrankungen. Schenkt man ihr bei der täglichen Mundhygiene nicht die nötige Aufmerksamkeit, können schnell Infektionen, Bläschen oder Mundgeruch entstehen.

Ein erhöhter Speichelfluss sowie eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme können den Zungenbelag verringern. Für die optimale Reinigung sollte jedoch zu einem Zungenschaber gegriffen werden. Alternativ kann die Zunge mit einer weichen Zahnbürste gereinigt werden. Das Kauen von harten Speisen regt den Speichelfluss an und beugt Mundtrockenheit vor. Die Schleimhäute werden befeuchtet und die Wahrscheinlichkeit einer rissigen Zunge sinkt. Festes Brot oder Rohkost eignen sich hierfür am besten.

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