12. Juli 2024

Professionelle Schauspielerinnen: Rülpsen & Co. als Teil der Rolle

Filme und Serien unterhalten uns. Doch vielfach sehen wir Zuschauer nicht, wie schwer es den Darstellern fallen kann, eine bestimmte Rolle zu spielen. Zumal nicht immer nur Angenehmes von ihnen verlangt wird.

Doch wer zum Cast eines großen Filmes gehören möchte, muss zuweilen seine eigenen Grenzen übertreten und sich in Situationen begehen, die ihnen einiges abverlangen – die aber schnell unschön oder sogar riskant werden können.

Schauspielerinnen springen über ihren Schatten: Rülpsen und Furzen im Film

Manchmal passiert es einfach: Der Körper gibt Töne ab, die der Mensch eigentlich gerne unterdrücken wollte. Ein Moment, der schnell vergeht – der aber dennoch für lange Zeit sehr peinlich sein kann. Etwas anders sieht es dagegen aus, wenn solche Szenen bewusst in das Drehbuch geschrieben wurden. Eine Erfahrung, die Charlize Theron machen durfte: Für ihre Rolle in “Schneewittchen” musste sie ihrer Kollegin Emily Blunt vor laufender Kamera ins Gesicht rülpsen. Ein Schicksal, das auch Cate Blanchett nur allzu gut kennt.

frau rülpst
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Im Film “Tár” spielt sie eine burschikose und leicht maskuline Dirigentin, die sich gerne einmal wie die Axt im Walde benimmt – und dabei ungeniert das eine oder andere Bäuerchen ausstößt. Auf leicht andere Weise ließ dagegen Rooney Mara von sich hören. In der Verfilmung des Romanklassikers “Verblendung” spielt auch sie eine Hauptfigur, die sich nicht recht an die konventionellen Regeln eines anständigen Verhaltens gewöhnen möchte. Ihre mehrfachen Blähungen sollen diesen Eindruck unterstreichen.

Mit Mut zur optischen Veränderung

Während das Rülpsen und Furzen für die Betroffenen durchaus unangenehm sein kann, erfordert die authentische Darstellung einer Rolle manchmal eine drastische Veränderung, die über Monate hinweg anhält. Demi Moore (“Die Akte Jane”), Cate Blanchett (“Heaven”), Natalie Portman (“V wie Vendetta”) oder Sigourney Weaver (“Alien”) willigten dafür sogar ein, auf ihre Haare zu verzichten und sich eine Glatze rasieren zu lassen.

Endlos lange Stunden verbrachte an jedem einzelnen Drehtag dagegen Charlize Theron beim Maskenbildner: Für ihre Rolle der Mörderin Aileen Wournos im Film “Monster” wurde ihr Gesicht fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. Sängerin und Teilzeitdarstellerin Mariah Carey hatte indes unter dem Gegenteil zu leiden: Für ihren Auftritt in “Precious – das Leben ist kostbar” verzichtete sie gänzlich auf jede Form von Schminke. Auch sie ist damit vor der Kamera kaum zu erkennen, verleiht gerade dadurch ihrer Interpretation einer Sozialarbeiterin aber das gewisse Etwas.

schauspielerin am set
Nicoleta Ionescu/shutterstock.com

Eine Frage des richtigen Gewichtes

Haare und Make-up mögen wesentlich zum äußeren Erscheinungsbild eines Menschen beitragen. Doch auch die Körpermaße definieren sein Aussehen. Kein Wunder also, dass einige Schauspielerinnen an Gewicht zulegen oder überflüssige Pfunde verlieren müssen, um den Vorgaben des Drehbuchs zu entsprechen. Für den letztgenannten Fall kommen mit Anne Hathaway (“Les Miserables”) sowie Kate Winslet (“Der Vorleser”) zwei mit dem Oscar prämierte Rollen in Betracht. Beide wirken derart abgemagert, dass sie einen beinahe ungesunden Eindruck bei Betrachter hinterlassen.

Anders sieht es hingegen bei Renee Zellweger aus, die mit “Bridget Jones” ihren großen Durchbruch hatte: Rund 15 Kilogramm an Körpergewicht musste sie zulegen – was ihr nach eigenen Angaben nicht leicht gefallen sei. Die an sich zierliche Emma Stone sollte für ihre Verkörperung der Tennisspielerin Billy Jean King zwar auch schwerer werden, entschied sich aber für acht Kilogramm Muskelmasse, die sie sich innerhalb von nur drei Monaten antrainierte.

Schon die Vorbereitung geht ins Extreme

Dass nicht nur die Dreharbeiten anstrengend sein können, sondern bereits das Einarbeiten in die jeweilige Rolle zur Schwerstarbeit verkommt, weiß Natalie Portman. Für die Darstellung einer Balletttänzerin in “Black Swan” nahm sie an jedem Tag fünf Stunden lang Tanzunterricht – ehe sie ihren Text lernte und weiteren Sport trieb, um fit zu wirken. Um als Boxerin im Film “Million Dollar Baby” ernst genommen zu werden, durchlief Hilary Swank ein ähnliches Programm. Von morgens bis abends soll sie zwischen dem Boxring und dem Kraftraum gependelt sein.

filmproduktion
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Im Ergebnis führte das Training zu einer solch drastischen Veränderung, dass selbst ihre Nachbarn die Oscarpreisträgerin nicht mehr erkannt haben. Meryl Streep (“Die eiserne Lady”) sowie Michelle Williams (“My Week with Marilyn”) bereiteten sich hingegen so akribisch auf die Rollen von Margaret Thatcher und Marilyn Monroe vor, dass sie deren Verhalten letztlich über mehrere Minuten hinweg exakt nachahmen konnten.

Abseits von Rülpsen & Co.: Darstellerinnen in riskanten Situationen

Noch einen Schritt weiter gingen Kate Winslet (“Titanic”) und Isla Fisher (“Now you see me”): Beide mussten Szenen drehen, die unter Wasser spielten – bei denen es aber zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kam. Erst durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte konnte Schlimmeres verhindert werden. Auch Uma Thurman hatte im zweiten Teil von “Kill Bill” großes Glück, dass sie eine zum Unfall führende Autofahrt ohne ernsthafte Verletzungen überstand.

Derartige Erfahrungen gehören für Cameron Diaz, Angelina Jolie oder Halle Berry hingegen zum Alltag ihres Jobs: Alle drei sind bekannt dafür, ihre Stunts – soweit möglich – selbst auszuführen. Zumindest Halle Berrys Krankenakte soll dadurch um diverse Knochenbrüche erweitert worden sein. Doch gerade diese Beispiele zeigen, welche Leistungen viele Schauspielerinnen auf sich nehmen, um den Zuschauer zu unterhalten. Und wer dabei besonders überzeugend wirkt, der darf sogar auf eine Auszeichnung hoffen: Viele der vorgenannten Stars haben sich durch das Überspringen eigener Grenzen einen Oscar verdient.

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