Trennung wegen Zwangsstörung
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Zwangsstörungen können sich für Beziehungen sehr belastend auswirken. Auch wenn jetzt häufig zunächst an den Partner/ die Partnerin der unter Zwangsstörung leidenden Person als erstes gedacht wird.

Wenn eine Zwangsstörung die Beziehung zerstört

Auch für den/ die Betroffene/n selbst kann die eigene Erkrankung in einer Partnerschaft absolut herausfordernd sein. Eindeutig immer dann, wenn die eigene Betroffenheit verschwiegen wird und der Wunsch nach Besserung oder Verhaltensänderung absolut nicht besteht. Sei es, weil der/ die Betroffene selbst die eigene Zwangsstörung noch nicht erkannt hat, sie unterbewusst oder gar bewusst verdrängt. Wir können hier an Menschen denken, die möglicherweise vor der aktuellen Partnerschaft jahrelang als Single und überwiegend isoliert gelebt haben.

Es ist vorstellbar, dass eine solche Person zwar im eigenen Leben überwiegend von den eigenen Zwängen dominiert wird, jedoch gleichzeitig diese in den eigenen Alltag in irgendeiner Form integriert hat. Bei einem solchen Beispiel hat sich die psychische Störung zu einer gewissen Normalität und Alltagsrealität entwickelt. Das besonders perfide dabei: Eine Zwangsstörung verschlimmert sich mit der Zeit, sollte diese längerfristig unbehandelt bleiben. Umso mehr sich also ein solcher Mensch isoliert und seine Störung als Gegeben und Nichtveränderbar akzeptiert, umso höher besteht die Gefahr einer schweren Erkrankung.

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Verliebt, verlobt, erkannt: Mein/e Partner/in ist krank

Ganz klar, in der Öffentlichkeit wird dieser Mensch kaum eine/n Partner/in kennenlernen. Doch gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, eröffnen sich auch für diesen Personenkreis mögliche Optionen. Und dies ohne dabei das eigenen Umfeld verlassen zu müssen. Es ist denkbar, dass es diesem Menschen gelingt seine eigene Zwangsstörung in der Phase des Kennenlernens zu verstecken und zu verschweigen.

Hat sich das Gegenüber in dieser Zeit verliebt oder zumindest positive Gefühle aufgebaut, so kann die eigenen Toleranz gewisse „Macken“ zu ertragen im Anschluss höher sein. Einen eingegipsten Fuß erkennen wir direkt, ein fehlendes Auge auch, doch eine psychische Erkrankung lässt sich auf einen ersten Blick nur selten erkennen. Nicht ausgeschlossen, dass es also zu einem „Match“ mit anschließender Romanze kommt.

Zwangsstörung: Was verbirgt sich dahinter?

Extrembeispiele lassen sich natürlich schnell einordnen. Selbst die Lösung liegt direkt auf der Hand. Denn als gute/r Freund/in werden wir unserer/m Frischverliebten schnell den Rat nach Distanz und Selbstschutz aussprechen, sollte die Erkrankung so offensichtlich und so einschneidend sein. Die allermeisten Betroffenen leiden allerdings an einer leichten oder mittelschweren Form einer Zwangsstörung, ihre psychische Erkrankung ist nicht unbedingt offensichtlich. Deshalb lohnt es sich einen kurzen Exkurs in die Psychiatrie zu machen, damit wir uns auf eine korrekte Definition einer Zwangsstörung einigen können.

Hierfür brauchen wir lediglich die Internationale Klassifizierung psychischer Erkrankungen (ICD) heranzuziehen, welche alle psychische Diagnosen aufführt und weltweit von Fachkräften zu Rate gezogen wird. Hierin heißt es zu Zwangsstörungen: „Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten.

zerstörte beziehung
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Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden.“ (vgl. ICD, F.42: Zwangsstörung) Zwangsgedanken sind häufig Befürchtungen, beispielsweise peinlich in der Öffentlichkeit aufzutreten oder einer Person schaden zu wollen. Zwangshandlungen wiederum sind immer wiederkehrende Verhaltensweisen, die sehr ausgeprägt und sehr häufig auftreten. Sehr bekannt und deshalb hier als Beispiel genannt, sei der Waschzwang. Also jenes Bedürfnis beispielsweise ständig die Hände zu waschen, selbst wenn diese vom vielen Reinigen bereits wund sind.

Beides, also Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können in einer Beziehung zu einer großen Belastungsprobe werden. Kein/e Partner/in schaut gerne dabei zu, wenn die Person, die man liebt, leidet. Gleichzeitig ist der Weg zu einer Co-Erkrankung nicht weit, sollte die gesunde Person nicht konsequent auf das eigene Wohl achten.

Was kann ich als angehöriger Mensch tun, wenn mein/e Partner/in von einer Zwangsstörung betroffen ist?

  1. Hole dir weitere Informationen zu diesem Krankheitsbild ein, zum Beispiel im Internet oder indem du dich von deinem Hausarzt beraten lässt. Angehörige tauschen sich teilweise untereinander aus, um sich gegenseitig zu stützen. Du findest im Internet und Social Media Foren zu diesem Thema, vereinzelt existieren vor Ort auch Selbsthilfegruppen.
  2. Verstecke und schäme dich nicht! Versuche nicht nach außen „den Deckel drauf zu machen“ und alles intern lösen zu wollen. Sprich mit deinen Freundinnen und Freunden über deine Nöte und hole dir ein ehrliches Feedback.
  3. Versuche nicht den/die Therapeuten/-in zu spielen. Ein erkrankter Mensch braucht professionelle Hilfe, motiviere deine/n Partner/-in zu einer Therapie.
  4. Ziehe dich nicht zurück und mache deine eigenen Bedürfnisse deutlich. Lass nicht zu, dass du Teil des Zwangssystems wirst, sondern grenze dich immer klar ab. Bleibe jedoch dem Gegenüber dabei zugewandt und dir immer bewusst, dass es sich hierbei um eine Erkrankung und nicht um eine Charakterschwäche handelt.
  5. Ja, die Krankheit ist Teil des Menschen, den du liebst. Doch dein/e Partner/in hat viel mehr Facetten. Reduziere deinen Lieblingsmenschen nicht auf die Erkrankung, ihr seid eine Liebesgemeinschaft und keine Therapiegruppe.
therapie gegen zwangsstörungen
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Zwangsstörung zerstört Beziehung? Unser Fazit

Zwangsstörungen haben Einfluss auf eine Beziehung und können zu einer echten Herausforderung werden. Da es sich um eine Erkrankung handelt, wird eine unbehandelte psychische Störung nie gänzlich „zur Ruhe kommen“. Motiviere und unterstütze deine/n Partner/in zu einer professionellen Psychotherapie. Achte aber ebenso auf dich und hole dir Hilfe, wenn du merkst, dass du „einfach nicht mehr kannst“. Gestalte deinen Alltag so, dass nicht alleine das Thema Erkrankung dominierend ist, sondern berücksichtige immer auch deine eigenen Bedürfnisse.