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In Deutschland gibt es viele Klischees und Vorurteile gegenüber der Toilettenkultur der Japaner. Zugegeben: Im Vergleich zu Deutschland wirken einige Dinge hier etwas seltsam. Aber sie haben durchaus einen sehr rationalen Kern.

Wie funktioniert eine Toilettendusche?

Was wir an anderen Ländern manchmal seltsam finden, finden die Landsleute dieser Länder durchaus auch an Deutschland komisch. In vielen Ländern der Welt ist es beispielsweise überhaupt nicht üblich, Toilettenpapier zu nutzen – und die deutsche Herangehensweise an dieses Problem kommt jedem Inder wie eine massive und obendrein nicht sonderlich effektive Papierverschwendung vor. Die Japaner haben das Problem auf eine ganz eigene Art gelöst: Sie benutzen Toilettenduschen, die mit Wasser reinigen. Weil dieses Prinzip mittlerweile auch mehr und mehr Menschen in anderen Ländern überzeugend finden, setzen sich die Toilettenduschen auch außerhalb von Japan immer mehr durch.

Mitunter kann man entsprechende Toiletten mit eingebauter Technik auch hierzulande kaufen – wer sich dafür interessiert, findet weitere Informationen in diesem Artikel von WC FRISCH. Dort wird auch erklärt, welche weiteren Funktionen die „typisch japanische“ Toilette bereit hält, die vielleicht auch schon bald in immer mehr deutschen Badezimmern zu finden sein wird. Aber warum sind diese Kulturen überhaupt so unterschiedlich?

Eine kleine Kulturgeschichte der Toilette

Dass sich die Art und Weise, wie Menschen ihren Toilettengang verrichten, in unterschiedlichen Ländern anders ausgeprägt hat, ist kein Zufall. Oftmals vollziehen sich Prozesse der Kulturgenese zufällig, aber allen ist zumindest ein rationaler Ausgangspunkt gemein. In Deutschland, so sagt man, waren die Menschen schon recht zeitig auf ihre Gesundheit bedacht. Und ebenfalls recht zeitig stellte man fest, dass sich die grundsätzliche Gesundheit eines Menschen an der Beschaffenheit seiner Exkremente ablesen lässt. So entstanden die ersten Toiletten, die eine Begutachtung des Stuhls und des Urins vor dem Spülen möglich machten – die sogenannten Flachspüler.

Diese werden in Deutschland mittlerweile immer seltener. Kein Wunder: Es gibt auch keinen Grund mehr für diese „Gründlichkeit“. Vielmehr sind wir heute darauf bedacht, Krankheitssymptome an uns selbst festzustellen, eh uns ein Arzt aufträgt, eine Stuhl- oder Urinprobe für weitere Untersuchungen abzugeben. An diesem Beispiel erkennt man gut, welchen Stellenwert der Hygiene in unterschiedlichen Kulturen beigemessen wird – und inwiefern das zu unterschiedlichen Ausprägungen etwa in der Toilettenkultur führen kann.

Wer sich dessen bewusst ist, wundert sich ein ganzes Stück weniger über vermeintlich sonderbare Gepflogenheiten in anderen Ländern, und kann selbst gegenüber so kuriosen Dingen wie der Toilettenkultur eine gewisse Aufgeschlossenheit an den Tag legen. Vielleicht stellt man so ja auch hin und wieder fest, dass eine andere Kultur gar nicht so „abwegig“, sondern unter Umständen ein ganzes Stück fortschrittlicher ist als die eigene. Im Falle der japanischen Toilette lässt sich das zumindest kaum bestreiten.