Kind liebt Papa mehr als Mama
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Wenn das Kind den Vater offenbar mehr lieber mag als die Mutter, weiß diese zumeist gar nicht, woran das liegen könnte. Betroffene Mütter überlegen, ob sie etwas falsch gemacht haben oder der Partner womöglich besser mit dem Kind umgehen kann. Nicht selten macht sich Frust breit. Spätestens dann ist es an der Zeit, gemeinsam eine Strategie für eine Eltern-Kind-Beziehung zu entwerfen, die allen Beteiligten gerecht wird.

Um eine solche Vorgehensweise entwickeln zu können, sind sämtliche beeinflussenden Faktoren zu berücksichtigen. Hauptmerk ist auf die Faktoren Kindesalter, Zeit und Art der Beschäftigung zu legen.

Kind liebt Papa mehr als Mama: Was tun?

Die Frau ist es, die das Kind zur Welt bringt und üblicherweise auch die erste Bezugsperson ist. Dies ist umso intensiver der Fall, wenn die Mutter sich dafür entscheidet, das Baby zu stillen. Die Nähe und Geborgenheit, die während des Stillens entsteht, ist in der Tat unvergleichlich. Die stillende Mutter ist Schutz und Nahrungsquelle in einer Person. Mit der Flasche großgezogene Kinder lernen häufig von Beginn an, dass eben nicht ausschließlich eine Person für ihr Wohlergehen zuständig ist. Aber auch in der heutigen Zeit ist es vorwiegend die Mutter, die mehr Zeit für das Kind hat und dementsprechend in der Säuglingsphase als Elternteil bevorzugt wird.

Und nach der Säuglingsphase?

Mit zunehmendem Alter kann sich das Kind besser bewegen und verständigen. Vor allem aber möchten Kleinkinder die Welt entdecken und erkunden. Während die meisten Mütter – erst recht, wenn es sich um das erste Kind handelt – häufig übervorsichtig sind, erleben Väter gerne mit dem Nachwuchs Abenteuer. Beziehungsweise sind es eher die Väter als die Mütter, die Sohn oder Tochter ermutigen, Neues auszuprobieren und körperlich aktiv zu sein. Kein Wunder also, dass viele Kinder ab etwa zwei Jahren lieber Zeit mit Papa verbringen: Die Kleinen freuen sich auf das Heimkommen des berufstätigen Vaters, um mit ihm herumzutollen und Quatsch zu machen. Ob sportliche Aktivitäten oder Unfug machen: Papa ist der passende Kumpel und Mama ist abgemeldet.

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Ab etwa drei Jahren finden Kinder für sich heraus, ob sie zu den Männern oder zu den Frauen gehören. Diese Phase der psychosexuellen Identifikation bedingt vorwiegend, dass sich Jungen vorübergehend stärker an die Mutter und Mädchen stärker an den Vater binden. Durchaus kann es aber auch zur gleichgeschlechtlichen Orientierung kommen, wenn das Kind seine künftige Rolle kennenlernen möchte. Die gegengeschlechtliche Orientierung dient dazu, sich als heranwachsendes Mädchen oder als heranwachsender Junge vom jeweils anderen Geschlecht bestätigt zu fühlen. Von Geburt an haben Jungen mehr Muskelmasse und mehr rote Blutkörperchen als Mädchen.

Das hat zur Folge, dass Jungen größtenteils gerne körperlich aktiv sind. Väter, die dem Bewegungsdrang ihres Sohnes freien Lauf lassen, machen eigentlich alles richtig. Eine besorgte Mutter gilt hingegen schnell als Spielverderberin, wenn sie beispielsweise auf Verletzungsgefahren hinweist.

vater und tochter
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Kind liebt Papa mehr als Mama: Wertvolle Erfahrungen in der Familie

In jeder Familie, die sich aus Vater, Mutter und Kind zusammensetzt, muss das Kind die Chance erhalten, sich selbst als Person zu entdecken. Zwangsläufig wird aus der anfänglichen Zweierbeziehung Mutter-Kind die Triade Vater-Mutter-Kind. Falls es Geschwister gibt, ist Eltern-Kind-Geschwisterkind eine ebenfalls sehr wichtige Triade. Unabhängig vom Geschlecht des Kindes und davon, ob es Geschwister hat, kommt es im Kindesalter immer wieder zu Veränderungen einer Triade. Denn innerhalb des Beziehungssystems sind zwangsläufig zwei Personen etwas stärker miteinander verbunden. Die dritte Person hingegen wird mehr oder minder wahrnehmbar etwas ausgegrenzt. In einer Phase, in der Papa Nummer 1 ist, möchte das Kind keinesfalls die Mutter kränken. Vielmehr haben sich vorübergehend die Interessen und Wünsche geändert.

Der vermeintlich bessere Draht zum Kind

Wer beschäftigt sich wie mit dem Kind? Gemeinhin ist es die Rolle der Mutter, das Kind zu füttern und zu pflegen. Wenn dann mal Zeit für gemeinsame Spiele und Unternehmungen ist, sind diese überwiegend als „pädagogisch wertvoll“ einzustufen. Beispiele hierfür sind Vorlesen, Malen und Basteln. Toben oder Raufen zählen nicht zu den typischen Beschäftigungen, die Mama anzubieten hat. Da kommt Papa wie gerufen, wenn er sich auf wilde Spiele mit dem Nachwuchs einlässt und pädagogische Lerneffekte zur Nebensache werden. Dass sich die Spielwünsche ihrer Kinder verändern, übersehen viele Mütter. Aus Sicht des Kindes ist das Erscheinen des Vaters manchmal wie eine Erlösung von ungeliebter Beschäftigungstherapie.

Sicher ist: der oder die Kleine braucht nach wie vor die Mama. Bei genauer Beobachtung der Dreierbeziehung ist in den meisten Fällen festzustellen, dass sich der Nachwuchs durchaus auch immer wieder an die Mutter wendet. Davon abgesehen ist ein Mehr an äußerlicher Nähe nicht mit einem Mehr an Liebe gleichzusetzen. Vielmehr geht es vorrangig um das Stillen kindlicher Bedürfnisse, die sich (wie bereits erwähnt) immer wieder mal ändern. Sofern ein Kind von Beginn an lernt, dass es sich auf beide Elternteile verlassen kann, ist das vorherrschende Interesse am Vater vorübergehend und kein Anlass zur Sorge.

Gemeinsame Aktivitäten fördern das Beziehungsgleichgewicht

Aber selbst wenn der Mutter die Beweggründe des Kindes klar sind, möchte sie verständlicherweise alsbald wieder mehr Zuwendung bekommen. Damit dies gelingt, muss die Mutter aber Interessantes bieten können. Beispielsweise sollte sie es übernehmen, mit dem Kind das Radfahren zu üben. Spielwünsche des Kindes sollten unbedingt berücksichtigt werden. Sinnvoll ist eine Arbeitsteilung in sämtlichen Bereichen: Beschäftigung mit dem Kind, Einkäufe und Hausarbeit. Selbst wenn dies im Fall einer Vollzeitbeschäftigung nur an den Wochenenden und im Urlaub möglich ist, lernt das Kind: Papa ist zuhause bedeutet nicht, dass er nur Zeit für Spiele hat. Mit Mama kann man auch Spaß haben.

Falsch wäre es vom Vater, das Kind zurückzuweisen, um es zu seiner Mutter zu drängen. Zwar hätte die Mutter das Gefühl, wieder mehr gefragt zu sein, aber das Kind würde es wie eine Bestrafung des Vaters empfinden. Abgesehen von der Arbeitsteilung sind gemeinsame Unternehmungen wie Wanderungen, Radtouren und Spielplatzbesuche das richtige Mittel, den Familienzusammenhalt (und die Liebe zu beiden Elternteilen) zu fördern.