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Narzissten können fast alles: Sie sind überzeugungsstark, schillernde Persönlichkeiten und verstehen es exzellent, andere Menschen mit spielender Leichtigkeit um ihren kleinen Finger zu wickeln. Doch vieles davon ist bei genauerer Betrachtung mehr Schein als Sein. Wie reagieren narzisstische Menschen aber, wenn ihre Masche bzw. Persönlichkeit auffliegt? Wann ist der Zeitpunkt des Rückzugs für ihn oder sie gekommen? Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit der Frage des ertappten Narzissten.

Aus der Glanz: Wann ziehen sich Narzissten zurück?

Eine der größten Waffen von Narzissten ist ihre besondere Fähigkeit, für ihre Mitmenschen und allem voran für sich selbst zu glänzen. Dieses Spiel funktioniert so lange, bis der Glanz versprüht und die trostlose Fassade des nackten Narzissten zum Vorschein kommt. Sobald der Narzisst als solcher enttarnt wurde, ist er im wahrsten Sinne des Wortes entwaffnet. Nun bleibt ihm in seiner Hilflosigkeit keine andere Wahl, als die Flucht zu ergreifen. Eine Wespe, die ihren Giftstachel verliert, ist am Ende. Dieser metaphorische Vergleich passt ganz gut zu einem aufgeflogenen Narzissten.

Konkret bedeutet dies, dass der Narzisst in seiner künstlichen Selbsterhöhung enttarnt wurde, beispielsweise durch persönliches oder berufliches Versagen, was überhaupt keinen Platz im Leben eines Narzissten hat. Die damit einhergehende, ausufernde Selbstüberschätzung lässt dem Narzissten überhaupt keine andere Wahl, als zu scheitern. Zurückziehen muss er sich nur dann, wenn dieses Scheitern ans Licht kommt.

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Schwindende Aufmerksamkeit

Ein Narzisst lebt von einer permanenten Aufmerksamkeit. Seine Persönlichkeit ist auf Bestätigung seiner Grandiosität angewiesen. Wenn diese über kurz oder lang ausbleibt, zerfällt die Lebensgrundlage des Narzissten und dieser stirbt innerlich. Im Grunde ist ein Narzisst beziehungsunfähig, denn eine gesunde Beziehung besteht aus gegenseitigem Interesse und einer reziproken Zuneigung. Ein Narzisst kann eine solche Zuneigung aber maximal vortäuschen und selbst wenn dies aus Gründen der Geschicklichkeit gelingt, handelt es sich nur um einen temporären Zustand.

Sobald sich eine Person mit narzisstischen Persönlichkeitszügen nicht mehr bestätigt fühlt, muss sie die Beziehung abrupt abbrechen. Auch eine „zweite Chance“ wird ein Narzisst nicht gewähren, da er seinen Mitmenschen genau genommen ja selbst keine ehrlich gemeinte „erste Chance“ zu geben bereit ist. Nachlassende Aufmerksamkeit ist demnach ein todsicherer Weg, einen Narzissten schnell und sicher zu vertreiben.

Wann zieht sich ein Narzisst zurück? Kritische Stimmen unerwünscht

Niemand wird gerne kritisiert, doch selbst konstruktive und angemessene Kritik klingt in den Ohren von Narzissten unerträglich und übrigens nie gerechtfertigt. Narzissten sind der festen Überzeugung, keine Fehler zu machen. Daher ist es auch keine Überraschung, dass ihnen eine ehrlich gemeinte Entschuldigung niemals über die Lippen käme. Schuld haben ohnehin immer die Anderen. Bestenfalls können Narzissten ihren Zorn bei anfänglicher Kritik unterdrücken, doch klar ist, dass ihr ohnehin schwaches Selbstwertgefühl auf Dauer damit nicht zurechtkommt.

Eine aufrichtige und hitzige Diskussion oder gar ein Streit sind gleichbedeutend mit der panischen Flucht eines Narzissten. Dieser Umstand mag damit zu tun haben, dass Narzissten nicht in der Lage sind, ihr eigenes Tun zu reflektieren und letztlich ein gesundes Maß an Eigenkritik zu üben, die aber für jede Form der Beziehung unerlässlich wäre. Somit ist davon auszugehen, dass der erste kleinere oder auch größere Disput gleichzeitig der Letzte ist.

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An die falsche Person geraten

Narzissten sind üblicherweise begnadete Menschenkenner. Das bedeutet, sie wissen intuitiv, wer ihnen „auf den Leim“ gehen wird – und wer nicht. Sollte sie ihr ansonsten untrüglicher Instinkt doch einmal im Stich lassen, ist die Überraschung groß, wenn sich hinter der anderen Person kein leichtes Opfer, sondern eine starke Persönlichkeit befindet, die das miese Spiel des Narzissten sofort erkennt und diesen mühelos auffliegen lässt.

Im Grunde brauchen Narzissten als Gegenüber schwache Persönlichkeiten, die ihnen nach Belieben „aus der Hand fressen“. Ironischerweise könnte ein Narzisst – bewusst oder unterwebusst – auf einen anderen Narzissten treffen und somit in den Genuss seiner eigenen Medizin kommen. Auch eine solche Schmach würde einen jeden Narzissten mit Schamesröte zum unverzüglichen Rückzug bewegen. In diesem Fall hat es das Schicksal nicht gut gemeint mit dem Narzissten, denn er ist offensichtlich an die völlig falsche Person geraten.

Zu starke Gefühle: Wenn sich der Narzisst zurückzieht

Letztlich können starke Gefühle beim Narzissten, aber auch beim Gegenüber dafür sorgen, dass dieser sich in die Ecke gedrängt fühlt. Wenn es nämlich ernst zu werden droht, bekommt der Narzisst kalte Füße und zieht sich zurück. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ein Narzisst kann sein Leben nur durch künstliche Werte aufrechterhalten. Echte Gefühle, ganz gleich von welcher Seite sie kommen, sind ihm ein Gräuel. Echte Liebe ist aus diesem Grund genauso ausgeschlossen wie natürliches Interesse am Gegenüber.

Sobald sich echte Gefühle bei ihm selbst oder anderen einschleichen, überwiegt die Unischerheit und alle Komplexe, von denen er geplagt wird, kommen zum Vorschein. Der Narzisst ist abermals nackt, enttarnt, vielleicht sogar gedemütigt. Der Narzisst ist von Grund aus voller Selbstzweifel und versucht diese durch falschen Glanz und gespielte Grandiosität zu kompensieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass dieses Vorhaben früher oder später zum Scheitern verurteilt ist. Seine einzige Lösung ist die Flucht.