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Selbst wenn mit der Verlobung heutzutage kaum noch tatsächliche rechtliche Konsequenzen verbunden sind, ist dieses kulturelle Phänomen weiterhin präsent. An das Eheversprechen schließt sich ein ganzer Kosmos von Erwartungen, Gefühlen und Traditionen an, die offenbar bis in die Gegenwart so attraktiv sind, dass beinahe jedes Paar, das heiraten möchte, sich zunächst verlobt. Dieser Artikel zeigt, warum das so ist.

Woher kommt die Verlobung?

Die zentrale kulturelle Konstante bei der Verlobung ist das Versprechen: Wer sich verlobt, der verspricht dem Anderen eine bald bevorstehende Ehe. Das hatte früher weitreichende Konsequenzen. So galt eine Verlobte ab dem Zeitpunkt der Verlobung offiziell als „vergeben“. Andere Männer durften nicht mehr (öffentlich) um sie werben, ohne gesellschaftliche Sanktionen fürchten zu müssen. Daher trug das verlobte Paar auch direkt ab dem Zeitpunkt des Versprechens ein Symbol ihrer Verlobung wie diese Verlobungsringe.

Sie symbolisierten der Außenwelt: Diese Person ist an jemanden versprochen. Die Tradition des Verlobungsrings hat bis heute Bestand. Oftmals ist es so, dass die Verlobungsringe nach der Verlobung gekauft werden und manchmal auch als Eheringe verwendet werden. Paare, die sich gern mehrfach eine Freude machen möchten, gehen aber unter Umständen auch dazu über, zwei verschiedene Paar Ringe für die Verlobung und für die Ehe zu besorgen.

Sobald das Paar verheiratet ist, wird der Verlobungsring entweder abgelegt oder zusätzlich zum Ehering – als sogenannter Vorsteckring – getragen. Übrigens: Dass der Verlobungsring traditionell am linken Ringfinger getragen wird, ist kein Zufall. Hier vermutete man früher, dass eine Ader direkt zum Herzen führt.

Diamanten sind für immer

Ein Spruch sollte die Schmuckindustrie für immer verändern, und er hat etwas mit der Verlobung zu tun: Diamonds are forever – Diamanten sind für immer. Diese Worte dichtete die amerikanische Werbetexterin Mary Frances Gerety um diamantbesetzte Verlobungsringe der Firma De Beers zu vermarkten. Als Frau war sie von der Firma dazu beauftragt worden, Dinge speziell für Frauen zu vermarkten – damals eine übliche Werbepraxis.

Nachdem die Chefs der Firma erst skeptisch waren, etablierten sie den Spruch um während der Zeit der großen Depression noch irgendwie Absätze mit Schmuck zu erwirtschaften. Der Spruch wurde ein Riesenerfolg. In den USA ist er bis heute eine Art geflügeltes Wort – dort ist die Tradition um den Verlobungsring auch deutlich ausgeprägter als hier. Schätzungen zufolge geben die Amerikaner im Durchschnitt mehrere tausend US-Dollar pro Ring aus.

Damit macht der Verkauf von Verlobungsringen in den Vereinigten Staaten etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Schmuckindustrie aus. In Deutschland ist man da – wie so häufig – eher verhalten. Diamantbesetzte Verlobungsringe gelten vielen als zu protzig und sind für eine Mehrzahl der Deutschen auch kaum erschwinglich. Hier bevorzugt man eher Modelle aus Gold, Silber oder Platin. „Für immer“ sind diese robusten Metalle schließlich auch.