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Das Scheidungsrecht in Deutschland gehört zu den kompliziertesten Gesetzgebungen überhaupt. Nicht selten kommen zu den finanziellen Belastungen einer Scheidung auch die enormen emotionalen Belastungen des Trennungsprozesses hinzu. Gerade bei einer Scheidung sollte man sich aber nicht zu impulsiven Handlungen hinreißen lassen, sondern lieber frühzeitig professionellen Rat suchen.

Wo findet man Hilfe bei einer Scheidung?

Bei einer Scheidung ist guter Rat teuer. Für viele Paare ist die Möglichkeit einer Trennung das letzte, woran sie bei der Eheschließung denken wollen. Daher schließen hierzulande nach wie vor nur wenige einen Ehevertrag ab. Kommt noch eine fehlende Rechtsschutzversicherung hinzu, wird es sehr unübersichtlich. Hier hilft es, wenn sich Unbedarfte schnell umfangreich über alle Eventualitäten eines Scheidungsprozesses informieren, um besonnen auf die verschiedenen Gegebenheiten reagieren zu können.

Im Buch Scheidungsrecht für Anfänger finden sich beispielsweise eine Vielzahl von nützlichen Informationen rund um das Scheidungsrecht, darunter auch die komplexen Besonderheiten des deutschen Rechts in puncto Elternschaft und Sorgerecht. Wer sich vorher bereits umfassend informiert hat, ist nicht auf die alleinige Informationshoheit des Anwalts angewiesen, sondern kann selbstbewusste Entscheidungen entlang des oft langwierigen Prozesses treffen. Das beruhigt nicht nur die Nerven ungemein, sondern schützt auch vor bösen Überraschungen.

Jede Scheidung verläuft anders

Es kann keinen generellen Rat für einen Scheidungsprozess geben, da jede Scheidung anders verläuft und jedes Ehepaar unterschiedliche Ausgangsbedingungen bei der Trennung haben. Herrscht ein hochemotionaler Konflikt vor, ist die Konsolidierung des Scheidungsprozesses oft deutlich schwieriger, das sich keine Kompromisse finden lassen und fast alles per Recht und Gesetz eingeklagt werden muss. Wichtig ist nur, dass sich jede Partei innerhalb des Scheidungsprozesses bewusst ist, dass es in Deutschland ein Recht auf Scheidung gibt. Denn das Problem von Zweierbeziehungen ist oft: Es braucht zwei, um sie einzugehen, aber nur einen, um sie wieder zu trennen.

Wer in Deutschland das sogenannte „Trennungsjahr“ absolviert hat, kann eine Scheidung der Ehe beantragen. Das allein berechtigt noch nicht zur selbstständigen Aufhebung der Ehe. Nach drei Jahren des getrennten Lebens kann die Scheidung aber auch ohne Einwilligung des jeweils anderen Ehepartners vollzogen werden. Diese Möglichkeit besteht im deutschen Recht, damit eine einvernehmliche Trennung attraktiver erscheint und damit die Trennung nicht von einem Ehepartner unendlich lang hinausgezögert werden kann.

Eine nicht-einvernehmliche Trennung sollte allerdings vermieden werden. Egal wie schwierig eine Trennung: Langfristig ist es sinnvoll, sich mit seinem Partner zumindest auf einer oberflächlichen Ebene zu verständigen, um einen Scheidungsprozess auszuhandeln, der für beide zum größtmöglichen Vorteil verläuft. Sonst kommen zu den emotional verursachten Scherben noch finanzielle Schäden hinzu. Beides erschwert einen Neustart, den sich viele Geschiedene früher oder später sehr wünschen. Eine Scheidung bedeutet immer auch, an die eigene Zukunft zu denken und nicht in der schwierig verlaufenen Gegenwart zu verweilen.