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Nach fast einem Jahrhundert der Fehlinformation über Cannabis ist die Unterscheidung der beiden Hauptarten der Familie der Cannabis Sativa, Hanf und Marihuana, immer schwieriger geworden, und viele Menschen sind sogar der Ansicht, dass es sich bei diesen Begriffen um ein und dasselbe handelt.

Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, was zu vielen Schwierigkeiten bei der Aufklärung über die Verwendung und die Vorzüge von Hanf führt, dabei lassen sich die großen Unterschiede zwischen Marihuana und Cannabis leicht erklären. Da der Markt für CBD-Öl (Cannabidiol) ständig wächst, ist es an der Zeit die Mythen und Informationsdefizite bezüglich der umstrittenen Pflanze mit ihren berühmten siebenblättrigen grünen Stängeln zu beseitigen.

Der Unterschied zwischen legalen und illegalen Sorten

Bei Produkten wie dem CBD sind nur legale Sorten erlaubt, deren Anbau und Vermarktung geregelt sind. Diese Sorten werden allgemein als Hanf bezeichnet, um sie von Cannabis, welches psychotrope Wirkungen hat, zu unterscheiden – obwohl beide Namen die gleiche Pflanzenart bezeichnen. Von diesen legalen Sorten stammen ungeschälte Hanfsamen, aus denen sich viele verschiedene Produkte herstellen lassen, z. B. Nahrungsmittel, cannabidiolreiches Hanföl, Dämmstoffe aus Hanf, Ziegelsteine für ökologisches Bauen, Mulch für den Gartenbau und Biokunststoffe für Autos.

Die verschiedenen Sorten und ihre Zusammensetzung

Der Hauptunterschied zwischen Hanf und Marihuana ist der Tetrahydrocannabinol (THC)-Gehalt. THC ist die Verbindung, die für die psychoaktiven Auswirkungen von Marihuana verantwortlich ist. Im Durchschnitt enthält Marihuana 5-20 % THC. Hanf hingegen enthält weniger als 0,2 %, dieser Gehalt ist gesetzlich streng geregelt und wird regelmäßig von Hanferzeugern überprüft. Hanf enthält außerdem das auch als CBD bekannte, Cannabidiol. Es ist dieses Molekül, welches den jüngsten Erfolg von Hanf in den Bereichen Wellness, Kosmetik und Medizin bedingt.

Ein weiterer Unterschied ist das Wachstumsumfeld der Pflanzen

Die Umgebung, in denen Hanf und Marihuana angebaut werden, ist sehr unterschiedlich. Hanf wird wie Weizen oder Mais im Freien sehr dicht (im Abstand von 10 cm) in großen Parzellen angebaut. Er passt sich sehr gut an alle Klimazonen an und sein Wachstumszyklus beträgt 115 Tage. Im Gegensatz zu Hanf braucht Marihuana eine sehr kontrollierte, warme und feuchte Umgebung, um gut zu wachsen, was sie zu einer sehr energieintensiven Pflanze macht. Sein Wachstumszyklus beträgt 60 bis 90 Tage. Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte mindestens 15-20 cm betragen.

Marihuana-Kulturen reagieren sehr empfindlich auf Bestäubung, da ihr hoher THC-Gehalt auf eine Überzüchtung ihrer Blüten zurückzuführen ist. Hanf wird auf natürliche Weise bestäubt und produziert daher Samen anstelle von Blüten.

Hanf hat keine schädlichen Inhaltsstoffe

Hanf ist eine sehr vielseitige Pflanze, weil alle seine Komponenten verwendet werden können. Die Blüten enthalten zum Beispiel Wirkstoffe wie Cannabinoide, Terpene und Flavonoide und werden bei der Zubereitung von Nahrungsergänzungsmitteln und Hanfaufgüssen verwendet. Die Samen, auch Hanfsamen genannt, enthalten keine aktiven Inhaltsstoffe, sind aber sehr reich an Eiweiß, essenziellen Fettsäuren (Omega 3, 6 und 9) und Ballaststoffen. Daher eignen sie sich perfekt für die menschliche und tierische Ernährung (Vögel, Fischfang usw.), und auch in der Kosmetik werden sie wegen ihrer reichhaltigen Eigenschaften eingesetzt. Hanf und Fasern, die beiden Komponenten des Stängels, werden in vielen Bereichen verwendet: z. B. Bauwesen, Isolierung und Textilien.

Die tausendjährige Geschichte der Verwendung von Hanf

Hanf stammt aus Zentralasien. Er wurde dort erstmals im 5. Jahrtausend vChr. verwendet, sowohl für Textilien als auch für die Herstellung von Papier, Lebensmitteln und Medikamenten. Danach breitete es sich im gesamten Mittelmeerraum aus. Zu Beginn unserer Zeitrechnung stellten die Gallier, die auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs lebten, daraus Getränke her. Seit dem Mittelalter war die Geschichte des Hanfs und die konstante Entwicklung seiner Produktion in Europa vor allem mit der Herstellung von Papier und von Segeln für die Marine verbunden. 1941 entwickelte Henry Ford ein hauptsächlich aus Hanf hergestelltes Auto, das ebenfalls mit Hanf-Ethanol betrieben wurde.

Leider hat die Ölindustrie-Lobby den enormen Absatzmöglichkeiten für Biokunststoffe und Bioenergien auf Hanfbasis ein Ende gesetzt. Auch die Lobby der synthetischen Textilindustrie und das Aufkommen von Nylon haben den massiven Einsatz von Hanf bei der Textilherstellung verhindert. Und schließlich hat die Lobby der Forstwirtschaft dazu beigetragen, die Verwendung von Hanf zur Papierherstellung zu stoppen. Heute ist das Interesse an Hanf, insbesondere in der Industrie, wieder enorm gestiegen. Angesichts der absehbaren Ölknappheit und der ökologischen und energetischen Herausforderungen, wird es zunehmend für ökologisches Bauen und als Biokunststoff eingesetzt.