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Vor kurzem verstarb mit Karl Lagerfeld einer der bekanntesten Modeschöpfer weltweit. Er war auch bekannt für seine recht enge Auffassung davon, wie ein Frauenkörper für Mode beschaffen zu sein hat. Models, die etwas anderes als spindeldürr waren, waren für ihn der Mode nicht würdig. Seine Generation von Designern stirbt aber nun langsam aus – wie ein Blick auf Plus-Size-Mode beweist.

Big is beautiful!

Viele Frauen haben keine Lust mehr darauf, sich von der Modeindustrie vorgeben zu lassen, was sie tragen können. Es gibt verschiedene Methoden, sich dem Schlank-Paradigma zu widersetzen. Einige Frauen gehen dazu über, schlicht sehr weite Kleider und Hosen zu tragen, die durch den Verzicht auf eine enge Passform verbergen, welche Körperform sich darunter verbirgt.  Andere haben aber keine Lust auf Versteckspiele und kaufen einfach Mode in großen Größen bei Anbietern wie Wundercurves, die sich speziell auf den Verkauf von großen Kleidergrößen spezialisiert haben.

Größen zwischen 44 und 52 fand man bislang selten bis gar nicht im Kaufhaus. Jetzt gibt es ganze Boutiquen, die exklusive Mode speziell in großen Größen anbieten. Dadurch, dass die Modeindustrie die großen Größen für sich entdeckt hat, ist nun auch die Mode an sich anders. Die Passformen sind weniger „universell“ sondern eher maßgeschneidert und auch die Designs sind näher am Zeitgeist. Noch vor wenigen Jahren wurden Übergrößen von den Modeschöpfern eher stiefmütterlich behandelt und waren häufig unzeitgemäß oder unpassend. Zum Glück wird das immer besser.

Können Frauen zu ihrem Körper stehen?

Das gestiegene Angebot an Übergrößen spiegelt auch einen gesellschaftlichen Fortschritt wider. Die Industrie erkennt an, dass Frauen mehr sind als Schmuckobjekte, die vor allem schön und schlank zu sein haben. Frauen sollen selbst entscheiden, ob und inwiefern sie mit ihrem Körper zufrieden sind – und haben ein Recht darauf, sich auch entsprechend kleiden zu können. Zudem ist es für manche Frauen auch gar nicht möglich „einfach mal abzunehmen“, wie es ihnen vielleicht noch der ein oder andere raten würde.

Wie füllig ein Körper ist, lässt sich nicht nur auf die Ernährung zurückführen. Manche Menschen sind einfach mit einem anderen Stoffwechsel ausgestattet, der selbst bei ‚normaler‘ Ernährung zu einer übermäßigen Fettansammlung neigt. Das betrifft besonders Frauenkörper. Sie sind evolutionär so gestaltet, dass sie vor allem Energiereserven ansammeln, um ein oder mehrere Kinder mit ernähren zu können.

Der „Jägerkörper“ des Mannes ist darauf trainiert, Energie möglichst effizient zu nutzen, um eine große Ausdauer entwickeln zu können. Frauen neigen daher eher zu fülligeren Körpern und können diese oft nur mit starker und qualvoller Disziplin schlank halten. Der Trend zur Plus-Size-Mode zeigt: Diese Ära der Qual könnte glücklicherweise bald vorbei sein.