Silberputztuch
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Wie so oft, sind auch bei dieser Frage die Meinungen geteilt. Die einen meinen auf entsprechende Forums-Anfragen, man könne ein verschmutztes Silberputztuch ganz normal in der Waschmaschine waschen. Tatsächlich kann man das tun. Das verschmutzte Silberputztuch verliert dann jedoch seine Wirkung.

Andere Forumsteilnehmer*innen sagen korrekt, dass man das Waschen eines Silberputztuches besser sein lässt. Der Grund: Silberputztücher werden mit einer chemischen Lösung getränkt. Diese bringt das Tafelsilber wieder zum Glänzen. Die Lösung ist dazu geeignet, den unschönen schwarzen Belag auf der Silber-Oberfläche abzulösen. Wäscht man das Tuch, geht die wasserlösliche Chemikalie ins Waschwasser über. Dem Silberputztuch wird also der entscheidende Faktor entzogen.

Warum verschmutzen Silberputztücher? Und wie ist das mit dem Waschen?

Um das zu erklären, müssen wir uns zunächst einmal anschauen, warum Tafelsilber überhaupt mit der Zeit anläuft. Sobald echtes Silber mit Sauerstoff in Berührung kommt, reagiert es chemisch: mit dem Sauerstoff und dem in der Luft enthaltenen Schwefelwasserstoff. Durch die chemische Reaktion entsteht Silbersulfid. Dieser Prozess ist nicht zu verhindern. Selbst wenn das silberne Besteck in einem mit samt ausgelegten Besteckkasten aufbewahrt wird, kommt das Silber bei jedem Öffnen mit der Luft in Kontakt. Die chemische Reaktion setzt dann bereits ein. Bis das Silber angelaufen ist, dauert es aber eine Weile. Man kann den unschönen Belag aber mit einem Silberputztuch entfernen.

Das durch die chemische Reaktion entstehende Silbersulfid sorgt dafür, dass das Silber „anläuft“. Es bildet sich folglich ein unansehnlicher schwärzlicher Belag auf der Oberfläche silberner Gegenstände. Der Belag wird noch zunehmen, wenn das Silber nicht regelmäßig geputzt wird. Dafür gibt es verschiedene Methoden, mit denen man den gewohnten Glanz wieder herstellen kann. Eine Lösung, um angelaufenem Silber zu neuem Glanz zu verhelfen, sind Silberputztücher. Die Wirkung solcher Putztücher beruht auf der chemischen Lösung, mit der die Tücher getränkt wurden. Die Chemikalie ist wasserlöslich. Durch das Putzen des Silbers mit einem Silberputztuch wird quasi eine gegenläufige chemische Reaktion erzeugt.

reinigung von silber
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Das schwärzliche Silbersulfid wird vom Silber entfernt. Es geht dabei aber ins Silberputztuch über und verfärbt dieses. Zum einen wird das Silberputztuch mit der Zeit unansehnlich. Zum anderen verliert es aber auch mit jeder weiteren Nutzung einen Teil seiner Funktion. Es kann immer weniger Silbersulfid aufnehmen. Ist das Putztuch mit Silbersulfid gesättigt, kann es irgendwann kein weiteres Silbersulfid vom angelaufenen Silber entfernen. Wäscht man das verschmutzte Tuch nun, verliert es endgültig seine Funktion. Es ist dann nur noch ein ganz gewöhnliches Putztuch. Man kann allerdings ein chemisches Fluid kaufen, mit dem die Wirkung erneuert werden kann. Ein gewaschenes Silberputztuch kann damit vorsichtig getränkt werden. Ob das aus Umweltsicht ratsam ist, ist jedoch eine andere Frage.

Lieber nicht waschen: Alternativen zum Silberputztuch

Falls der Verbrauch an Silberputztüchern als zu umweltbelastend angesehen wird, gibt es Alternativen. Ein simples Mikrofasertuch kann dem Silber ganz ohne Hilfe chemischer Substanzen zu neuem Glanz verhelfen. Außerdem kann die Silberpflege auch mittels Aluminiumfolie durchgeführt werden. Dieses bewährte Hausmittel funktioniert, indem man das angelaufene Silber Stück für Stück in Aluminiumfolie einwickelt. Anschließend legt man es in eine bereits vorbereitete Lösung. Diese besteht aus Wasser und Kochsalz. Alternativ kann das Wasser auch mit Soda oder Zitronensäure versetzt werden.

So kann das unschöne Silbersulfid durch eine elektrochemische Reaktion verschwinden, und das Silber erhält seinen gewohnten Glanz zurück. Die Nutzung bereits gebrauchter Alufolie ist aus Umweltsicht sinnvoller, als neue Alufolie zu nutzen. Wer trotzdem eher auf die Wirkung von Chemikalien setzen möchte, besorgt sich ein Silber-Tauchbad. In dieses Fluid muss das angelaufene Tafelsilber einfach nur eingetaucht werden. Es sollte eine Weile im Tauchbad liegen bleiben. Die genaue Handhabung von Silbertauchbädern kann der Packungsaufschrift entnommen werden.

Wichtig ist, das gereinigte und sorgfältig trockenpolierte Silber anschließend nicht mit anderen Gegenständen aus Metall zusammen aufzubewahren. Manche Menschen nähen aus gebrauchten und gewaschenen Silberputztüchern kleine Beutel. Diese dienen dann zur Aufbewahrung silberner Schmuckstücke oder Silberlöffel. Das Anlaufen verhindert das aber nicht. Es verzögert es bestenfalls.

Kann man Silber vor dem Anlaufen schützen?

Als Vorbeugung gegen erneutes Anlaufen legen manche Menschen Tafelkreide-Stückchen in die Nähe des Tafelsilbers. Andere nutzen für denselben Zweck Kochsalz-Tütchen. Sowohl Kreide als auch Kochsalz absorbieren Feuchtigkeit aus der Luft. Diese enthält unter anderem Schwefelwasserstoff. Zu beachten ist, dass Kreide oder Salz regelmäßig gegen frische Kreidestücke bzw. Salzsäckchen ausgetauscht werden müssen. Beide Maßnahmen verlangsamen das Anlaufen des Silbers zwar, verhindern es aber nicht zur Gänze.