lightfieldstudios/123RF.COM

In vielen Teilen Deutschlands kann man noch immer Menschen in traditionellen Outfits wie einem Dirndl beobachten. Aber sind Trachten nicht eigentlich total out? Woher die traditionelle Kleidung kommt und inwiefern man sie heute noch tragen kann beantwortet dieser Artikel.

Wo wird heute noch Tracht getragen?

Trachten werden heute gern noch zu offiziellen Anlässen getragen. Bestimmte Berufstrachten sind beispielsweise in einigen Teilen Deutschlands und in bestimmten Branchen gängig und sogar gewünscht. So wird beispielsweise die sogenannte Zunfttracht von Handwerkern getragen, die in Zünften tätig sind. Die Ordenstracht hingegen wird von Ordensschwestern und Ordensbrüdern in entsprechenden religiösen Gemeinschaften bevorzugt. Hier erfüllt die Tracht meist einen symbolischen Zweck: Sie zeigt Zugehörigkeit zu einer Gruppe an und verleiht offiziellen Anlässen einen gewissen Glanz.

Unter Umständen drücken besondere Accessoires zu Ihrer Tracht auch eine ganz bestimmte Zugehörigkeit aus. So sagt man dem Dirndl beispielsweise nach, dass die Position der sogenannten Schürzenschleife, mit der es gebunden wird, den Beziehungsstatus der Trägerin anzeigte. Wenn sich die Trägerin die Schleife auf die von ihr aus gesehen vordere, rechte Seite band, galt sie als vergeben. Auf die vordere, linke Seite gebunden zeigte die Schürzenschleife Bindungslosigkeit an. Trachten erfüllen eine wichtige symbolische Funktion und sind eine Weitererzählung der jeweiligen Kulturgeschichte, auch wenn bezweifelt werden darf, dass die Bedeutung der Schürzenschleife heute noch bekannt ist.

Woher kommt das Dirndl?

Das Dirndl wurde als Trachtenkleid gegen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Heute ist das Dirndl vor allem im Alpenraum als traditionelle Tracht anzutreffen, hat als Schmuckkleid aber durchaus internationale Bekanntheit erlangt. So weiß man beispielsweise auch in den USA, dass ein Dirndl als „typisch deutsch“ gilt und trägt dieses zu entsprechenden Feiern. Das Wort leitet sich vom bayrischen Begriff „Dirne“ ab, mit dem man junge Mädchen bezeichnet. Eine „Dirne“ war lange Zeit aber auch der Begriff für eine in der Landwirtschaft tätige Frau, die sogenannte Magd.

Diese Frauen trugen oft diese typischen Kleider, wie wir sie heute unter dem Begriff „Dirndl“ zusammenfassen. Im Vergleich zu modernen Kleidern wirkt das Dirndl recht aufwändig, aber früher galt es als schlichte und vor allem preiswert herzustellende Mode. Zunächst traf man Menschen im Dirndl vor allem im städtischen Raum an. Später setzte sich das Image durch, dass das Dirndl vor allem ein ländliches Kleid sei. Ursprünglich war das Dirndl auch nicht so aufreizend, wie wir es heute kennen, da es überwiegend von katholischen Mädchen getragen wurde.

Erst die Nationalsozialisten verwarfen den katholischen Charakter des Kleids und entwarfen die aufreizende Form mit weit ausgeschnittenem Dekolletee und unbedeckten Armen. So kennen wir das Dirndl bis heute und so wird es auch beim alljährlichen Oktoberfest nach wie vor gern getragen. Heute gibt es sogar Modedesigner, die Dirndl-Varianten kreieren. Es lässt sich durchaus ein Trend beobachten, nachdem traditionelle Mode wieder beliebter und auch im Alltag gern getragen wird.

Das zeigt auch die Renaissance zahlreicher Oktoberfest-Veranstaltungen außerhalb von Bayern und München. Vermutlich zieht es gerade in Zeiten, in denen ein Halt in der Welt immer schwieriger zu finden ist, Menschen wieder zurück zu Traditionen und alten Bräuchen.