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Spätestens wenn man an sich selbst merkt, dass man häufiger gereizt ist, hat man bereits ein Problem. Es gibt viele Ursachen für einen plötzlichen, aber anhaltenden Stimmungswandel. Dieser Artikel zeigt, woran man eine überdurchschnittliche Gereiztheit erkennt und wie man sie angeht.

Bin ich oft gereizt?

Um es gleich vorweg zu sagen: Manche Menschen sind von Natur aus deutlich schneller gereizt als andere. Es gehört zu ihrer Persönlichkeit. Um diese Menschen soll es hier nicht gehen. Zum Problem wird die Gereiztheit erst, wenn sie plötzlich auftritt, also nicht nur vom Umfeld des Betroffenen sondern auch vom Betroffenen selbst bemerkt wird. Dieser neigt dann häufiger zu Wutanfällen, Beleidigungen oder Fehlentscheidungen im Job oder auch im privaten Umfeld. Das kann bestenfalls peinlich sein, schlimmstenfalls aber auch reale Konsequenzen wie einen Jobverlust nach sich ziehen. Spätestens, wenn man an diesem Punkt ist, sollte man sich fragen, ob man ein Problem hat.

Die Ursachen für ständige Gereiztheit können mannigfaltig sein. Klug ist es, sich genau zu fragen, ab wann die erhöhte Gereiztheit angefangen und was man seitdem in seinem Leben verändert hat. Meistens spielt eine neue Lebenssituation eine Rolle – ein neuer Job, der stressig ist oder ein Wandel im privaten Umfeld, mit dem man umgehen muss. Hin und wieder können auch die Ernährung oder Medikamente (vor allem solche, die einen Einfluss auf den Hormonhaushalt haben) eine Rolle spielen. Gereiztheit ist ein Problem, das man sehr ernst nehmen sollte. Nicht nur können die sozialen Beziehungen enorm leiden, auch steigt das Risiko für klassische Stress-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Schlaganfälle.

Wie kann ich entspannter werden?

Das Zauberwort für die Therapie von Gereiztheit heißt Resilienz. Wer resilient ist, lässt sich weniger leicht von äußeren Einflüssen mental „davontragen“. Er bleibt auch in stressigen Situationen ruhig und wird selbst dann nicht wütend, wenn er das Verhalten eines Anderen als ungerecht empfindet. Resiliente Menschen leben nicht nur gesünder sondern wirken auch wie Balsam auf ihr soziales Umfeld. Resilienz lässt sich lernen. Allerdings ist Resilienztraining nur eine Methode, um ständige Gereiztheit in den Griff zu bekommen. Auf Dauer führt kaum ein Weg daran vorbei, die wahre Ursache für die Gereiztheit aufzudecken und sie anzugehen. Ist etwa ein Trauma oder ein Verlust der Auslöser für die Anspannung, führt selten ein Weg an einer Psychotherapie vorbei.

Kommt die Gereiztheit aber scheinbar ohne jeden Grund (oder nur manchmal) vor, kann ein Resilienztraining sehr sinnvoll sein. Dieses Training lässt sich zur Not auch ohne externe Hilfe im Selbststudium realisieren – etwa mit einem guten Buch. Resilienz bedeutet kaum mehr als eine bestimmte Einstellung zu sich selbst und zur Welt. Resiliente Menschen können mit Niederlagen gut umgehen und beziehen das Verhalten anderer Menschen weniger häufiger auf sich. Sie begreifen etwa einen abweisenden Kollegen eher als Produkt seiner Umstände („Hat bestimmt schlecht geschlafen.“), anstatt persönlich zu werden („Er mag mich einfach nicht.“).

Resiliente Menschen neigen weniger häufig zu physischen und psychischen Erkrankungen. Es kann also auch – gerade in stressigen Jobs oder Krisensituationen – sinnvoll sein, sich eine gewisse Resilienz anzueignen, auch wenn man sich nicht für einen schnell gereizten Menschen hält.