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Kaum eine Arbeitskraft wird zu Zeit so sehr gesucht wie die Pflegefachkraft. Trotzdem bleibt der Nachwuchs oft aus. Das ist auch kein Wunder, denn Pflege kann ausgesprochen fordernd sein. Die Möglichkeiten zur Weiterbildung sind jedoch weniger bekannt und machen das Berufsfeld attraktiver als jemals zuvor.

Mehr als nur Alten- und Krankenpflege

Wenn von Pflege die Rede ist, denken die allermeisten Menschen an Krankenhäuser und Seniorenstifte. Grundsätzlich ist das auch korrekt, denn die meisten Pflegefachkräfte arbeiten direkt „am Mann“ bzw. „an der Frau“. Jedoch gibt es auch hier Menschen, die die Pflege überhaupt erst organisieren, die Kosten im Blick behalten und das Personal managen. Viele Menschen, die in diesem Berufsfeld tätig sind, entscheiden sich nach einigen Jahren für eine Weiterbildung Pflege und üben beispielsweise den Beruf des Pflegehelfers oder des Fachwirts in der Pflege aus. Das kann verschiedene Gründe haben.

Der eine sucht vielleicht nur eine berufliche Abwechslung, ein anderer hat vielleicht eine gesundheitliche Einschränkung erfahren, und kann den oft kräftezehrenden Beruf des Pflegers nicht mehr vollumfänglich ausüben. In der Diskussion um Pflegefachkräfte wird oft übersehen, dass die Weiterbildung in der Pflege eine Möglichkeit ist, echte Aufstiege zu erleben. Oft sind einschlägige Erfahrungen in der Pflegepraxis sogar Voraussetzung dafür, eine der weiterqualifizierten Tätigkeiten zu übernehmen. Leider denken noch immer gerade Jugendliche – einer falschen Vermittlung des Pflegeberufes geschuldet –, dass es sich um einen Ausbildungsberuf handelt, der nach dem erfolgreichen Abschluss keinerlei weitere Karriereoptionen bereithält.

Woher kommt der Fachkräftemangel in der Pflege?

Ein Fachkräftemangel ist derzeit allgegenwärtig, in der Pflege ist er jedoch besonders schlimm. Das hängt auch damit zusammen, dass Pflegefachkräfte nach wie vor unterdurchschnittlich bezahlt werden. Pflege wurde viele Jahrzehnte als ein klassischer „Frauenberuf“ angesehen, und wie viele „Frauenberufe“ wurde er daher deutlich schlechter bezahlt als sogenannte „Männerberufe“. Dieses Bewusstsein, das nicht nur diskriminierend, sondern auch für ein nachhaltig negatives Image des Pflegeberufes verantwortlich ist, muss sich bald ändern, denn: Die Anzahl der Menschen, die in Zukunft zu pflegen sein wird, erhöht sich durch eine erhöhte Lebenserwartung konstant und dramatisch.

Gerade in westlichen Industrienationen kommen auf die zu pflegenden Alten viel zu wenig Junge, die die Pflegeberufe ausüben. Die ersten Anzeichen dieser Diskrepanz sind schon heute zu spüren: Hoffnungslos überlastetes Personal, lange Wartezeiten bei den Plätzen in Altersheimen und, leider, auch Fehler in der Ausübung des Berufs. Es wäre allen daran gelegen, Pflegeberufe mindestens so gut zu bezahlen wie manche akademische Tätigkeit. Denn schöngeistige und technologische Berufe sind zwar eine Bereicherung für die Gesellschaft – es nützt aber alle Kunst, Kultur und Technik nichts, wenn die Menschen keine Möglichkeit haben, ein würdiges Leben im Alter zu verbringen oder sich umsorgt zu fühlen, wenn sie krank sind.