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Was einmal „in“ ist, muss nicht „in“ bleiben: Das lehrt uns die Geschichte immer wieder. Derzeit sorgen kabellose Staubsauger für Furore, weil sie so praktisch sind und manchmal sogar autonom funktionieren. Ob wir hier das berühmte Ei des Kolumbus haben oder nur einen kurzfristigen Trend, der sich mangels Zweckmäßigkeit wieder überlebt, das versuchen wir hier zu erfassen.

Auf dem ersten Blick erscheinen die modernen Akku-Staubsauger sehr verlockend. Ohne Kabel saugend durch die Wohnung zu düsen, das könnte Zeit und Nerven sparen! Nie wieder ein zu kurzes Kabel und das damit verbundene ständige Wechseln von Steckdosen. Und auch kein Verheddern mit Stuhlbeinen und Möbelstücken mehr, nur noch schrankenloses Säubern.

Ganz so einfach ist die Sache aber leider nicht: Die Stiftung Warentest nahm vor Kurzem 55 Akku-Sauger genauer unter die Lupe, nur sechs davon erhielten die Gesamtnote gut. Das sind auffallend wenige, allerdings merken die Tester an, dass sich die kabellosen Geräte allmählich ihrer kabelgebundenen Konkurrenz annähern. Wer sich einen der Besten holt, muss wohl keine Abstriche gegenüber einem traditionellen Staubsauger erwarten.

Akku-Sauger sind wendig, doch nicht immer leistungsfähig

Jedenfalls erweisen sich die Akku-Sauger natürlich als besonders wenig, weil sie kein sperriges Kabel mit sich schleppen müssen. Die Saugkraft lässt allerdings bei allzu vielen Geräten zu wünschen übrig, einige von ihnen verteilen den feinen Staub sogar noch in der Wohnung. Wer also zum kabellosen Staubsauger greifen möchte, der sollte diese Schwachstelle möglichst vermeiden. Die Ergebnisse von Stiftung Warentest helfen weiter, aber auch Kundenbewertungen auf großen Verkaufsportalen haben oftmals eine große Aussagekraft.

Autonome Saugroboter im Visier der „Haushaltsfaulen“

Leider thematisiert der Testbericht nicht die Smart-Home-Fähigkeit akkubetriebener Sauger. Die Auswahl ist so beschaffen, dass sich keine autonomen Saugroboter mit an Bord befinden – „leider“ für alle, die sich mehr Informationen zu dieser interessanten Technik erhoffen. Dass es eines Tages Kühlschränke geben wird, die mit dem Geschirrspüler kommunizieren oder automatisch Einkaufslisten auf Basis der verbrauchten Lebensmittel erstellen – davon hätte vor 15 Jahren noch niemand zu träumen gewagt. Damals kamen die ersten Vorläufer der heutigen Smartphones auf den Markt und revolutionierten die ganze Welt. Heutzutage nutzt jeder technologische Systeme, die unser Leben dank automatisierter Prozesse komfortabler machen.

Humanoide Roboter und intelligente Staubsauger

So planen einige Unternehmen, humanoide Roboter in die Produktion ihrer Produkte einzubeziehen, während andere versuchen, Programme zu entwickeln, die sich mit Menschen messen können in Spielen wie Schach, Go oder sogar Poker. Und auch die Haushaltsindustrie versucht, von der Verwendung von KI in ihren Produkten zu profitieren, insbesondere bei Staubsaugern und Rasenmähern. Wer mäht oder saugt schon gerne stundenlang herum? Der Traum, dass sich der Haushalt zumindest in einigen Bereich „von selbst“ erledigt, ist jedenfalls noch lange nicht ausgeträumt.

Ganz im Gegenteil, er wird durch die digitale Entwicklung sogar noch befeuert. Und in Teilen hat er sich schon materialisiert: Wer mag, kann die neue Technik direkt nutzen, aber besser nach einem sorgfältigen Produktvergleich, denn die Qualitätsunterschiede sind auf dem Gebiet der Saugroboter nicht gerade marginal.

Die Aufladezeiten gehen allmählich zurück

Zurück zu den akkubetriebenen Saugern, die der Besitzer noch selbst lenken muss. Viele dieser Geräte lassen sich ruckzuck zu handlichen Mini-Saugern umbauen, um mal eben das Sofa oder den Tisch zu säubern. Auch hierbei ist es absolut von Vorteil, kabelfrei zu sein, denn das erhöht die Flexibilität. Aber Achtung: Stiftung Warentest merkt an, dass vielen Akku-Staubsaugern bei Vollleistung recht schnell die Puste ausgeht.

Einige schaffen es nur auf höchstens 15 Minuten, dann müssen sie an die Steckdose. Gleichzeitig verkürzen sich die Ladezeiten, sodass das Gerät schneller wieder griffbereit ist. Früher musste der fleißige Raumpfleger durchschnittlich sechs Stunden bis zur vollen Aufladung warten, jetzt sind es nur noch ungefähr zwei bis vier Stunden.

Achtung Allergiker! Staubwolkenattacke möglich

Allergiker sollten sich in Acht nehmen: Auffällig viele Akku-Sauger sammeln den Schmutz in einer Staubbox ohne Beutel. Das heißt, dass bei der Entnahme eine Staubwolke entsteht, die manchmal unangenehme Auswirkungen hat. Auch liegt das Staubrückhaltevermögen während des Saugens allzu oft im niedrigen Bereich, was nicht gerade verlockend ist. Diese beiden Punkte gilt es also, beim Kauf besonders im Blick zu behalten, um einer Enttäuschung vorzubeugen.

Ausnahmen bestätigen immerhin auch bei den Staubsaugern die Regel, und die gibt es, wenn man sie gründlich sucht. Die Tester haben sogar herausgefunden, dass akkubetriebene Sauger besser mit Tierhaaren zurechtkommen, sodass in Katzen- und Hundehaushalten ein fettes Plus entsteht.

Akkusauger sind vier Mal so laut wie Kabelsauger

Durchschnittlich sollen Akkusauger vier Mal so laut sein wie die normalen Bodensauger. Das ist eher wieder eine Hiobsbotschaft, die die Euphorie bremst. Menschen, die im Einfamilienhaus leben und ihre Nachbarn beim Saugen somit nicht stören können, müssen entscheiden, ob sie sich das selbst zumuten möchten. Vielleicht funktioniert es ganz gut mit Kopfhörern und einer schöner Auswahl Lieblingslieder, die den Geräte-Sound übertönen. In Mehrfamilienhäusern wird es eng, wenn die Räume allzu hellhörig und die Nachbarn tendenziell übellaunig sind.

Fazit

Empfehlenswert ist ein Akku-Staubsauger aber eher für kleine bis mittlere Wohnungen, weil die Akkulaufzeiten meistens nicht für ein ganzes Haus reichen. Besonders viele Räume sind in einer Viertelstunde nicht zu schaffen. Einige Hersteller haben das erkannt und liefern deshalb zu ihren Geräten zwei Akkus, was die Nutzungsdauer glatt verdoppelt. So können sich auch Eigenheimbesitzer und die Bewohner von großen Wohnungen diese Anschaffung gut und gern überlegen.